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            <title>ENS ET UNUM CONVERTUNTUR. ZUR LEIBNIZSCHEN EINHEIT DER MONADE</title>
            <author><name>Hans</name>
               <surname>Poser</surname>
            </author>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <authority>ILIESI-CNR</authority>
            <availability>
               <p>Biblioteca digitale Progetto Agorà</p>
            </availability>
         </publicationStmt>
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               <title level="m">ENS ET UNUM CONVERTUNTUR. ZUR LEIBNIZSCHEN EINHEIT DER MONADE</title>
               <author>Hans Poser</author>
               <title level="a"/>
               <publisher>Leo S. Olschki Editore</publisher>
               <editor/>
               <pubPlace>Roma</pubPlace>
               <idno type="isbn"/>
               <biblScope> pp. 271-283 (Collana Lessico Intellettuale Europeo, LXXXIV)</biblScope>
               <date/>
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            <docAuthor>Hans Poser</docAuthor>
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               <titlePart>ENS ET UNUM CONVERTUNTUR. ZUR LEIBNIZSCHEN EINHEIT DER MONADE'</titlePart>
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         <pb n="271" facs="UNITA/UNITA_271.jpg"/>
         <p><hi rend="italic">Revera autem nullum ex partibus plu-<lb/>ribus componitur Ens vere unum, et<lb/>omnis
               substantia est indivisibilis et<lb/>quae partes habent non sunt Entia,<lb/>sed
            phaenomena tantum.</hi></p>
            <p>G. W. Leibniz, VE VI. 1253</p>
            <list type="ordered">
               <item><hi rend="italic">Einleitung</hi></item>
            </list>
            <p>Die Monade, Kulminationspunkt der leibnizschen Metaphysik und<lb/>konsequenteste
               Durchgestaltung des neuzeitlichen Gedankens der Indivi-<lb/>dualität des Einzelnen,
               ist Inbegriff der Einheit eines organischen Wesens.<lb/>Gebildet ist sie nach dem
               Muster meines individuellen Seins, das bei Des-<lb/>cartes noch im unbestimmten
               cogito verharrt und das bei Kant zugunsten<lb/>des namenlosen transzendentalen
               Subjekts wieder zum empirischen Ich ab-<lb/>sinken sollte: Mein <hi rend="italic"
                  >Ich</hi>, das Bewußtsein meiner selbst als sich durchhal-<lb/>tende Einheit ist
               das Vorbild der leibnizschen Konzeption.<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1"> So
                  immer wiederkehrend im <hi rend="italic">Système nouveau</hi>, GP IV.471 ff.
               </note>
            </p>
            <p>Diese Einheit muß es geben, da es Vielheit gibt; geradezu apodiktisch<lb/>halten dies
               die Einleitungssätze der <hi rend="italic">Principes de la nature et de la grâce,
                  fon-<lb/>dés en raison</hi> fest. „Die Substanz“, heißt es dort, „ist einfach oder
               zusam-<lb/>mengesetzt. Die einfache Substanz ist die, die keinerlei Teile hat. Die
               zu-<lb/>sammengesetzte ist die Ansammlung der einfachen Substanzen oder
               der<lb/>Monaden. Monas ist ein griechisches Wort, das ‘Einheit’ bedeutet oder
               das,<lb/>was eins ist. Die zusammengesetzten Dinge oder die Körper sind
               Vielhei-<lb/>ten; die einfachen Substanzen, das Lebendige, die Seelen, die Geister
               dage-<lb/>gen sind Einheiten“.<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2"> § 1, GP VI.598:
                  „La substance [...] est
                  simple ou composée. La substance simple<lb/>
                  est celle qui n’a point des parties. Le composé est l’assemblage des
                  substances simples, ou des <lb/>Monades. Monas est un mot grec, qui signifie l’Unité, ou ce qui est un.
                  Les composés ou les<lb/>corps sont des Multitudes; et les substances simples, les
                  Vies, les Ames, les Esprits sont des<lb/>Unités“. </note> Diese Einheiten sind das
               eigentliche Seiende - oder</p>
         <pb n="272" facs="UNITA/UNITA_272.jpg"/>
            <p>in der von Leibniz im Briefwechsel mit Des Bosses zustimmend aufgenom-<lb/>menen
               scholastischen Formulierung: ,,Ens et unum convertuntur“.<note place="foot"
                  xml:id="ftn3" n="3"> Des Bosses hatte dies in seinem Brief an Leibniz vom
                  12.2.1706 (GP 11.296) als aristo-<lb/>telisches Axiom bezeichnet, das er seinem
                  eigenen Denken zugrunde lege. Leibniz nimmt die For-<lb/>mel in zwei Briefen
                  zustimmend auf, an Des Bosses, 14.2.1706 (GP 11.300) und an Des
                  Bosses,<lb/>11.3.1706 (GP 11.304). </note> Diesen<lb/>Zusammenhang von Einheit und
               Sein gilt es, auf dem begriffs- und modal-<lb/>theoretischen Hintergrund der
               leibnizschen Konzeption des Individuums<lb/>als Monade auszuloten. Das Problem, dem
               wir uns im folgenden schritt-<lb/>weise nähern wollen, besteht in der Beziehung
               zwischen der Monadenlehre<lb/>und ihrem Einheitskonzept auf der einen Seite, der
               modallogischen Kenn-<lb/>zeichnung des Individuums durch dessen vollständigen Begriff
               der indivi-<lb/>duellen Substanz auf der anderen. Hierfür wird zunächst ein kurzer
               Blick<lb/>auf die Tradition und ihre Sicht des Verhältnisses von Einheit und
               Vielheit<lb/>zu werf en sein, gefolgt von einer knappen Darstellung der
               leibnizschen<lb/>Stellung dazu. Auf dieser Grundlage wird sich das Verhältnis von
               Ontolo-<lb/>gie und Begriffstheorie behandeln lassen. Von dort wird der Weg über
               die<lb/>Monade als Ich schließlich in der Sicht der Monade als Entelechie im
               Sinne<lb/>der inhaltlichen Modalitäten der aristotelischen <hi rend="italic"
                  >Metaphysik</hi> münden.</p>
            <list type="ordered">
               <item> <hi rend="italic"
                  >Ens et unum in der Tradition</hi></item>
            </list>
            <p>Der Gedanke einer Engführung, ja Identifizierung von Einheit und<lb/>Sein geht auf
               Parmenides zurück und hat über Platon und den Neoplato-<lb/>nismus geradeso wie in
               Gestalt der aristotelisch-scholastischen Unterschei-<lb/>dung von <hi rend="italic"
                  >unum per se</hi> und <hi rend="italic">unum per accidens</hi> im abendländischen
               Denken<lb/>eine zentrale Rolle gespielt, schon weil hier eines der sich
               durchhaltenden<lb/>philosophischen Probleme verborgen liegt, die Frage nämlich, wie
               Einheit<lb/>angesichts der uns umgebenden Vielheit überhaupt zu denken ist.</p>
            <p>Es empfiehlt sich, kurz die Ausgangsbestimmung der aristotelischen<lb/>
               <hi rend="italic">Metaphysik</hi> ins Gedächtnis zu rufen. Danach ist ein <hi
                  rend="italic">unum per accidens</hi>, das<lb/>ἓν κατά συμβεβηκός das zufällige
               Zusammenkommen beispielsweise zweier<lb/>Akzidenzien im Subjekt. Das <hi
                  rend="italic">unum per se,</hi> ἓν κατ`αὐτό ist dagegen selbst<lb/>einer
               mehrfachen Unterscheidung fähig: (1) die Einheit des bloß Zusam-<lb/>mengesetzten -
               etwa einer Maschine; (2) die Einheit der Gestalt, etwa eines<lb/>Apfels; (3) die
               Einheit des Allgemeinen - etwa die Zusammenfassung des-<lb/>sen, was unter den
               Begriff Katze fallt; und schließlich (4) die Einheit des le-</p>
         <pb n="273" facs="UNITA/UNITA_273.jpg"/>
            <p>benden Individuums, etwa meiner Katze. Eigentliche Einheit ist das<lb/>schlechthin
               Eine, das im Stetigen und vor allem im Unteilbaren besteht.<note place="foot"
                  xml:id="ftn4" n="4">
                  <hi rend="italic">Met.</hi>
                  X.l, 1052a 29; <hi
                     rend="italic">Met.</hi> V.6, 999a 2; <hi rend="italic">Met.</hi> V.6, 1015b 16
                  ff.; <hi rend="italic">Met.</hi> III.3, 999a 2. </note>
               <lb/>Es ist nicht mit der Zahl Eins zu verwechseln, sondern ist Quelle
                  aller<lb/>Zahlen;<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
                  <hi rend="italic">Met.</hi> V.6, 1016b 18; <hi rend="italic">Met.</hi> XII.7,
                  1072a 32. </note> und es ist weder Eigenschaft noch Gattungsbegriff.<note
                  place="foot" xml:id="ftn6" n="6">
                  <hi rend="italic">Met.</hi> VIII.6, 1045b 6. </note>
            </p>
            <p>Alle diese Bestimmungen zeigen, daß Einheit immer mit Bezug auf Viel-<lb/>heit
               gedacht wird. Zugleich aber werden Problemhorizonte sichtbar, die<lb/>über
               Jahrhunderte die Diskussion bestimmen sollten; denn wie verhalten<lb/>sich Eins,
               Einheit und Vielfalt zueinander? Und was ist Einheit, wenn sie<lb/>nicht Eigenschaft,
               nicht Gattung ist und doch von etwas prädiziert wird?</p>
            <p>In der Scholastik gab es zwei divergierende Auffassungen des Verhält-<lb/>nisses von
               Einheit und Vielfalt, die beide vom aristotelischen Stoff-Form-<lb/>Paar ausgehen.
               Während Thomas von Aquin argumentiert, die Materie<lb/>könne jeweils nur von <hi
                  rend="italic">einer</hi> Form bestimmt sein, die virtuell alle Möglich-<lb/>keiten
               in sich schließt,<note place="foot" xml:id="ftn7" n="7">
                  <hi rend="italic">De spirit. creaturis</hi> a. 3.c. </note> weshalb Thomas um der
               echten Einheit der kon-<lb/>kreten Realität willen die Einzigkeit der substantiellen
               Form fordert,<note place="foot" xml:id="ftn8" n="8"> So A. Huning: <hi rend="italic"
                     >Einheit und Vielheit in der Wesensform,</hi> in: <hi rend="italic">Hist. Wb.
                     d. Pbilos.</hi> Il, Basel<lb/>1972, 400-405, Sp. 401, gestützt auf <hi
                     rend="italic">Thomas von Aquin</hi>, <hi rend="italic">Quodlibet</hi> I, q. 4,
                  a. 6c und XII, q. 7, a. 9c. </note> ver-<lb/>traten die Dualisten und die
               Pluralisten wie Bonaventura die Auffassung,<lb/>daß man wegen der Pluralität von
               Formen in der Realität eine entspre-<lb/>chende Vielfalt hierarchisch gegliederter
               Formen annehmen müsse. Die<lb/>scholastischen Auseinandersetzungen, die
               beispielsweise Francisco Suárez<lb/>in seinen <hi rend="italic">Disputationes
                  metaphysicae</hi> darstellt, kannte Leibniz, und dessen<lb/>
               <hi rend="italic">Disputatio V</hi> mit dem Titel <hi rend="italic">De unitate
                  individuali eiusque principio</hi> zitiert er<lb/>schon in seiner Frühschrift <hi
                  rend="italic">De principio individui</hi>;<note place="foot" xml:id="ftn9" n="9">
                  GP IV. 18 u. 24; vgl. A. Robinet: <hi rend="italic">Suárez im Werk von
                     Leibniz</hi>, in: <hi rend="italic">Studia Leibnitiana</hi> 13<lb/>(1981),
                  76-96, S. 86. </note> hierauf wird noch zu-<lb/>rückzukommen sein.</p>
            <list type="ordered">
               <item> <hi rend="italic">Leibnizens Unterscheidung von unum per se und unum per accidens</hi></item>
            </list>
            <p>Leibniz stützt sich ausdrücklich auf die scholastische Terminologie; aber<lb/>von den
               genannten aristotelischen Bedeutungen ist es die Einheit des leben-<lb/>digen
               Individuums, die für ihn zentral wird. Weder ist eine Schafherde eine<lb/>Einheit,
               noch eine Uhr, so planvoll ihre Teile ineinandergreifen,<note place="foot"
                  xml:id="ftn10" n="10">
                  <hi rend="italic">Eclaircissement du nouveau systeme</hi> § 2, GP IV.494. </note>
               noch Ab-</p>
         <pb n="274" facs="UNITA/UNITA_274.jpg"/>
            <p>strakta. Damit aber beginnen die Probleme erst, denn was ist die ,,wahre“<lb/>Einheit
               - die Seele oder der beseelte Körper als Einheit von Seele und<lb/>Körper, und wie
               verhält sich der materielle Körper hierzu? An Des Bosses<lb/>schreibt Leibniz, unter
               Voraussetzung der Substantialität der Monaden oder<lb/>einer gewissen realen
               Vereinigung sei er der Meinung, es gebe auch eine<lb/>andere Vereinigung, die
               bewirke, daß ein Lebewesen oder jeder beliebi-<lb/>ge organische Körper der Natur
               eine substantielle Einheit sei, die eine<lb/>herrschende Monade besitzt, was etwas
               ganz anderes sei als die Einheit, die<lb/>ein einfaches Aggregat bildet, wie dies bei
               einem Steinhaufen der Fall sei:<lb/>dieser bestehe nur in einer bloßen lokalen
               Vereinigung von Gegenwärtigem,<lb/>jene in einer Vereinigung, die etwas
               substantiiertes Neues konstituiere, das<lb/>die Scholastik ein unum per se nannte,
               das Vorige dagegen ein unum per<lb/>accidens.<note place="foot" xml:id="ftn11" n="11"
                  > An Des Bosses, 20.9.1712, GP 11.457: ,,Ego quoque sentio, admissis
                  Substantialibus prae-<lb/>ter monades, seu admissa Unione quadam reali, aliam
                  longe esse Unionem, quae facit ut animal<lb/>vel quodvis corpus naturae organicum
                  sit Unum substantiale, habens unam Monadam dominan-<lb/>tem, quam Unionem, quae
                  facit simplex aggregatum, quale est in acervo lapidum: haec consistit in<lb/>mera
                  unione praesentiae seu locali, illa in unione substantiatum novum constituente,
                  quod Scho-<lb/>lae vocant unum per se, cum prius vocent unum per accidens“. - Vgl.
                  die Definitionen VE II, S.<lb/>324: <hi rend="italic">„Unum per se</hi> est quod a
                  parte rei unum est, ut ego. <hi rend="italic">Unum per accidens</hi> fit cum plura
                  entia ad<lb/>modum unius uno actu mentis concipiuntur, ut strues lignorum“.
               </note>
            </p>
            <p>In diesem kleinen Abschnitt sind wesentliche Aussagen der Monaden-<lb/>lehre in
               knappster Form zusammengefaßt. Zugleich wird das Verhältnis<lb/>von Substanz und
               Akzidenz näher erläutert; denn Leibniz betont, daß,<lb/>wenn man zusammengesetzte
               Substanzen zuläßt, diese zusammen mit den<lb/>Akzidenzien den Gegensatz zu den
               eigentlichen Substanzen als unum per<lb/>se bilden. So ist ausschließlich die
               einfache Substanz - die Monade - ,,ulti-<lb/>mum subjectum“, sie allein ist ein
               Concretum, während alle Attribute Ab-<lb/>strakta - genauer: Abstrakta von Prädikaten
               der Substanz - sind.<note place="foot" xml:id="ftn12" n="12"> An Des Bosses, l.c., GP
                  11.457. </note> Die ge-<lb/>genüber Des Bosses zugestandene Einheit von Monade <hi
                  rend="italic">und</hi> Körper wird<lb/>zwar als „unum substantiale“ bezeichnet,
               schon um an den Briefpartner an-<lb/>knüpfen zu können; dennoch ist diese körperliche
               Substanz keine wahre<lb/>Substanz und kein wirkliches unum per se, sondern eine
               abgeleitete Ein-<lb/>heit, wenngleich gewiß nicht per accidens, sondern eine, die
               durch die<lb/>Monade als deren ,,vinculum“, deren Verbindendes konstituiert
                  wird.<note place="foot" xml:id="ftn13" n="13"> An Des Bosses, l.c., GP 11.458.
               </note>
            </p>
            <p>Bezogen auf Lebewesen ist der behauptete Zusammenhang von Seele<lb/>und Körper
               augenfällig, auch wenn die Einheit erst durch die Monade ge-<lb/>stiftet wird: In der
               Spanne zwischen Leben und Tod bildet jedes Lebewe-</p>
         <pb n="275" facs="UNITA/UNITA_275.jpg"/>
            <p>sen eine solche Einheit. Doch dies wird verbunden mit der These, der Kör-<lb/>per sei
               als abgeleitete Einheit nur Aggregat: „Es gibt keine körperliche
                  Sub-<lb/>stanz“.<note place="foot" xml:id="ftn14" n="14"> „Non datur substantia
                  corporea, cui nihil aliud insit quam extensio seu magnitudo, figura<lb/>et horum
                  variatio“, <hi rend="italic">Primae veritates,</hi> C 522. - An der fraglichen
                  Stelle spricht Leibniz aUerdings<lb/>auch von „substantia corporea“ (C 523), doch
                  schon vorher erklärt er: „In rigore Metaphysico<lb/>dici potest <hi rend="italic"
                     >nullam substantiam creatam in aliam exercere actionem metaphysicam seu
                     influxum“</hi> (C<lb/>521); denn nur so wird die Definition der Substanz
                  erfüllt, ein unum per se zu sein. Wenn Leibniz<lb/>deshalb definiert: „<hi
                     rend="italic">Corpus</hi> est substantia quae agere et pati potest“ (VE VIII,
                  S. 2040), so kommt<lb/>der einende Substanzcharakter dem darin enthaltenen Anteil
                  der substantiellen Form zu: „Forma<lb/>substantialis seu Anima est principium
                  unitatis et durationis, materia vero multitudinis et mutatio-<lb/>nis“. L.c., S.
                  2039. </note> So kann Leibniz mit Aristoteles davon überzeugt sein, daß nur
               Le-<lb/>bewesen aufgrund ihres Organisationsprinzips Substanzen und
               Individuen<lb/>sein können; doch zugleich radikalisiert er dies, weil die wahre und
               ur-<lb/>sprüngliche Einheit nur im Organisationsprinzip, nicht aber im
               Organisier-<lb/>ten gesehen wird: Letzteres ist nur „zusammengesetzte Substanz".<note
                  place="foot" xml:id="ftn15" n="15"> „unum per se substantiatum, seu substantia
                  composita”, an Des Bosses, l.c., GP 11.459. </note> - Daß<lb/>Leibniz diese
               unmittelbare Einheits-Erfahrung über Geburt und Tod hin-<lb/>aus ausdehnt, daß
               Monaden also unsterblich sind, hat theoretische Gründe,<lb/>die vor allem mit dem
               klassischen Substanzbegriff zusammenhängen, der<lb/>Entstehen und Vergehen der
               Substanz gerade ausschließt. Dagegen ist das<lb/>Weltall, für Aristoteles als
               lebendiger Kosmos geradezu „Prototyp der<lb/>Einheit“,<note place="foot"
                  xml:id="ftn16" n="16"> G. Martin: <hi rend="italic">Leibniz. Logik und
                     Metaphysik</hi>, Köln: Univ.-Vlg. 1960, S. 144. </note> phänomenal betrachtet,
               für Leibniz ein mechanisches System<lb/>und damit (wie eine Uhr) ein bloßes Aggregat.
               Daran ändert sich nichts,<lb/>wenn man zu der Gesamtheit der die Welt
               konstituierenden Monaden<lb/>übergeht: Diese sind zwar je für sich ein unum per se,
               aber ihre Gesamtheit<lb/>bildet nicht einmal ein totum, weil wegen der Vorstellung
               der bis ins<lb/>Unendliche gehenden Abstufung ein Abschluß nicht gegeben ist. Auch
               in<lb/>dieser Sicht ergibt sich also nur ein Aggregat<note place="foot"
                  xml:id="ftn17" n="17"> Vgl. <hi rend="italic">De rerum originatione radicali,</hi>
                  GP VII.302; und <hi rend="italic">NE</hi> 11.13 § 21, GP V.137f. </note>.</p>
            <p>Zusammenfassend läßt sich damit sagen, daß die Monade ursprüngli-<lb/>che
               substantielle Einheit ist, während der beseelte Körper eine
               abgeleitete<lb/>substantielle Einheit und der materielle Körper ein Aggregat im Sinne
               einer<lb/>akzidentellen Einheit ist. Damit ist allein die Monade jenes Ens, das
               zu-<lb/>gleich Unum ist.</p>
            <list type="ordered">
               <item><hi rend="italic">Ontologie und Begriffstheorie</hi></item>
            </list>
            <p>Die eben entwickelte leibnizsche Vorstellung von einem ursprünglichen<lb/>unum per se
               hat eine ontologische und eine begriffstheoretische Seite. Die</p>
         <pb n="276" facs="UNITA/UNITA_276.jpg"/>
            <p>ontologische betrifft das Verhältnis von Substanzen und Attributen,
               die<lb/>korrespondierende begriffliche Bestimmung der Einheit ist dagegen
               rein<lb/>formal; sie besagt, daß etwas dann Substanz ist, wenn ihr Begriff immer
               nur<lb/>als Subjekt, nie als Prädikat eines anderen Subjektes auftreten kann
               und<lb/>deshalb erste (oder letzte) Einheit sein muß, die alles von ihr
               Prädizierbare<lb/>umschließ. Genau dies ist für Leibniz im vollstädigen Begriff einer
               indivi-<lb/>duellen Substanz gegeben.<note place="foot" xml:id="ftn18" n="18">
                  <hi rend="italic">Disc. Met.</hi> § 8 bzw. 13, GP IV.432 bzw. 436. Vgl. C 520.
               </note>
            </p>
            <p>Damit aber stehen wir vor folgender Schwierigkeit: Wie ist auf der
               be-<lb/>griffstheoretischen Ebene die monadischen Einheit einzuholen, wie und
               wo<lb/>findet die monadische Einheit ihre Entsprechung im
               begriffstheoretischen<lb/>Konzept der individuellen Substanz? Noch deutlicher: Wieso
               gilt die Ent-<lb/>sprechung von ontologischem ens und begrifflich-formalem unum?</p>
            <p>Die Frage ist seit Parmenides nicht zur Ruhe gekommen, aber hier<lb/>stellt sie sich
               in neuem Gewande. In der Tradition war klar, daß der Begriff<lb/>der Einheit kein
               abstraktiv gewonnener Allgemeinbegriff sein kann; das be-<lb/>tont schon Aristoteles,
               der doch sonst eine Abstraktionstheorie der Begriffs-<lb/>bildung vertritt.
               Ebensowenig kann Einheit eine Eigenschaft des Indivi-<lb/>duums sein, die es - wie
               irgendeine Eigenschaft sonst - haben kann oder<lb/>auch nicht; Einheit ist überhaupt
               keine unmittelbare Eigenschaft. Thomas<lb/>von Aquin bezeichnet die Einheit denn auch
               als ein <hi rend="italic">transzendentale</hi>, denn<lb/>sie kommt nicht zu den
               anderen Eigenschaften hinzu. Aber was ist sie<lb/>dann? Schon die scholastische
               Formulierung - <hi rend="italic">ens et unum convertuntur -<lb/>
               </hi>macht deutlich, daß die beiden verwendeten Begriffe - ens bzw. <hi rend="italic"
                  >unum -<lb/>
               </hi>nicht einfach identisch sind, sondern auf je unterschiedliche Weise etwas
               in<lb/>den Blick rücken. Eine differenzierte Diskussion hierüber, die
               Gottfried<lb/>Martin nachgezeichnet hat,<note place="foot" xml:id="ftn19" n="19"> G.
                  Martin: <hi rend="italic">Immanuel Kant. Ontologie und Wissenschaftstheorie,</hi>
                  Berlin: de Gruyter 1969, <lb/>Kap. IV: <hi rend="italic">Das Sein von Einheit
                     überhaupt</hi> (S. 115-150); ders.: <hi rend="italic">Leibniz</hi>, Kap. IX:
                     <hi rend="italic">Unum</hi> (S. 142-156); <lb/>ders.: <hi rend="italic">Wilhelm
                     von Ockham. Untersuchungen zur Ontologie der Ordnungen</hi>, Berlin: de Gruyter
                  <lb/>1949, Kap. I: <hi rend="italic">Die Einheit</hi> (S. 1-31). </note> führt
               über Thomas bis zur zusammenfassen-<lb/>den Darstellung der Positionen in den <hi
                  rend="italic">Disputationes metaphysicae</hi> von Suá-<lb/>rez; auf sie verweist,
               wie erwähnt, der junge Leibniz. Explizit übernimmt er<lb/>in <hi rend="italic">De
                  principio individui</hi> die These, daß die unio dem ens nichts
               hinzufügt:<lb/>„unum supra Ens nihil addit reale“.<note place="foot" xml:id="ftn20"
                  n="20"> § 5, GP IV. 18/A IV.1.12. vgl. § 20, GP IV.24/A VI. 1.16. </note> Unio ist
               also eine <hi rend="italic">begriffliche<lb/>
               </hi>Kennzeichnung der Realität, keine reale Eigenschaft. Doch auch die
               oft<lb/>zitierte, scheinbar tautologische Kurzformel, die Leibniz gegenüber
               Ar-<lb/>nauld verwendet - ,,was nicht wahrhaft <hi rend="italic">ein</hi> Wesen ist,
               das ist auch nicht</p>
         <pb n="277" facs="UNITA/UNITA_277.jpg"/>
            <p>wahrhaft ein <hi rend="italic">Wesen“</hi>
               <note place="foot" xml:id="ftn21" n="21"> An Arnauld, 30.4.1687, GP 11.97: „Pour
                  trancher court, je tiens pour un axiome cette<lb/>proposition identique qui n’est
                  diversifié que par l’accent, sçavoir que ce qui <hi rend="sp">n’est pas véri-<lb/>
                     tablement </hi>
                  <hi rend="italic">un</hi>
                  <hi rend="sp"> estre, n’est pas non plus véritablement un</hi>
                  <hi rend="italic">estre.</hi> On a toujours crû que<lb/>l’un et l’estre sont des
                  choses réciproques“. </note> - klärt nicht, wie sich ontische und begriffliche
               Seite<lb/>zueinander verhalten, sondern überspielt das Problem rhetorisch durch
               den<lb/>Hinweis auf eine akzeptierte Tradition.</p>
            <p>Bemerkenswert ist, daß Leibniz das Problem der aggregativen Einheit<lb/>und Vielheit
               in die Teil-Ganzes-Problematik einordnet, indem er sie unter<lb/>den Relationen
               abhandelt. Schon in den einleitenden Paragraphen der <hi rend="italic"
                  >Dis-<lb/>sertatio de arte combinatoria</hi> lesen wir nach der Unterscheidung von
               Ens,<lb/>Qualitas, Quantitas und Relatio, jede Relation sei entweder Unio oder
               Con-<lb/>venientia. Im Falle der Unio werden die in Relation stehenden Dinge
               als<lb/>partes zum totum zusammengefügt. Und Leibniz fährt fort: „Dieser
               Fall<lb/>liegt vor, sobald wir Vieles zugleich gleichsam als <hi rend="italic"
                  >Einheit</hi> betrachten“.<note place="foot" xml:id="ftn22" n="22"> „Hoc contingit
                  quoties plura simul tanquam <hi rend="italic">Unum</hi> supponimus“. <hi
                     rend="italic">Ars combinatoria</hi> § 4, A VI. 1.170. </note>
               <lb/>Hieran wird Leibniz weiterhin festhalten: Relationen sind <hi rend="italic">in
                  mente</hi>
               <note place="foot" xml:id="ftn23" n="23">
                  <hi rend="italic">„Relatio</hi> est secundum quod duae res simul cogitantur“. VE
                  I, S. 147. </note> also<lb/>auch ein Begriff von <hi rend="italic">unio per
                  aggregatum.</hi> Wie aber steht es dann um das<lb/>
               <hi rend="italic">unum per se? </hi>
            </p>
            <p>Später, in den <hi rend="italic">Nouveaux essais</hi>, hebt Leibniz gegen Locke
               hervor, der<lb/>Begriff der <hi rend="italic">unité</hi> (ebenso wie jene der
               Existenz und der Kraft) entstamme<lb/>der Reflexion, nicht aber den Sinnen,<note
                  place="foot" xml:id="ftn24" n="24">
                  <hi rend="italic">NE</hi> II.7 § 1/A VI.6.129. </note> und sei deshalb eine
                  eingeborene<lb/>Idee.<note place="foot" xml:id="ftn25" n="25">
                  <hi rend="italic">NE</hi> Préf./A VI.6.51. </note> Doch gerade hinsichtlich der
               wahren, essentiellen Einheit der Sub-<lb/>stanz wird deren Quelle der Erkenntnis
               genauer bestimmt: Ich erfahre<lb/>diese Einheit nur und ausschließlich an mir selbst,
               ich erfahre mich in mei-<lb/>ner Erhaltung durch Veränderungen hindurch; und ich
               erfahre mich hier-<lb/>bei nicht als Aggregat, das dann ja Teile hätte, sondern als
               ursprünglich Ei-<lb/>nes.<note place="foot" xml:id="ftn26" n="26"> Dies nicht gesehen
                  zu haben, macht die Schwäche, ja Untauglichkeit der stark von Heid-<lb/>egger
                  inspirierten Dissertation von H. Ropohl: <hi rend="italic">Das Eine und die Welt.
                     Versuch zur Interpretation<lb/>der Leibniz‘schen Metaphysik</hi>, Leipzig 1937,
                  aus. Ebenso abwegig trotz zum Teil treffender Beob-<lb/>achtungen ist die Schrift
                  von O. Ruf: <hi rend="italic">Die Eins und die Einheit bei Leibniz. Eine
                     Untersuchung zur<lb/> Monadenlehre,</hi> Meisenheim 1973, weil die Zentralthese, die
                  ursprüngliche monadische Einheit sei<lb/>die von Subjekt und Objekt (vgl. S.
                  165f.), gänzlich an Leibniz vorbeigeht.<hi rend="italic">
                     <lb/>
                  </hi>
               </note> Oder mit Leibniz: Im Anschluß an die Feststellung, die Alten
               hätten<lb/>treffend demjenigen, was ein unum per se sei, nämlich Geistern,
               Seelen<lb/>oder Entelechien, eine ,,substantielle Form“ zugesprochen, schreibt er
               wei-<lb/>ter: Daß aber Substanzen „in den Veränderunge bestehen bleiben“, ,,dies</p>
         <pb n="278" facs="UNITA/UNITA_278.jpg"/> 
            <p>nämlich erfahren wir in uns, denn sonst könnten wir nicht einmal uns
               selbst<lb/>wahrnehmen, da jede Wahrnehmung Gedächtnis einschließt“.<note place="foot"
                  xml:id="ftn27" n="27"> Dies ist die Fortsetzung des dem Beitrag vorangestellten
                  Mottos, VE VI, S. 1253. </note>
            </p>
            <p>Das <hi rend="italic">cogito,</hi> von Leibniz als erste Tatsachenwahrheit
               verstanden, fällt von<lb/>Anbeginn in die Problematik von Einheit und Vielheit; denn
               es ist nur refle-<lb/>xiv unter der Voraussetzung zu gewinnen, daß „varia a me
                  cogitantur“.<note place="foot" xml:id="ftn28" n="28">
                  <hi rend="italic">Animadversiones</hi> 1.7, GP IV.357. </note>
               <lb/>Nun gilt, ,,daß ich ein unum per se bin, und in diesem unum sind alle
               Dar-<lb/>stellungen des Denkens enthalten“.<note place="foot" xml:id="ftn29" n="29">
                  „Sum unum quoddam per se, et in hoc uno sunt omnes illae repraesentationes cogitantis“,<lb/>
                  <hi rend="italic">lnitium institutionum iuris perpetui</hi>, Mollat S. 4; zit. b.
                  A. Gurwitsch: <hi rend="italic">Leibniz. Philosophie des Pan-<lb/>logismus,</hi>
                  Berlin: de Gruyter 1974, S. 157. </note> So verbindet sich im Ich die Einheit
               der<lb/>Substanz mit der Vielheit ihrer cogitationes. Damit ist diese Einheit
               unaus-<lb/>weichlich auf innere Vielheit bezogen. Die aber besteht nicht aus
               Teilen,<lb/>welche zusammengenommen das Ganze ausmachen - gerade hier
               vermeidet<lb/>Leibniz stets eine Gegenüberstellung von pars und totum -, denn die
               „multi-<lb/>tude“ derjenigen Perzeptionen,<note place="foot" xml:id="ftn30" n="30">
                  <hi rend="italic">Mon.</hi> § 16. </note> die zur Einheit des Ich gebracht
               werden,<lb/>sind gerade nicht von ihm isolierbar.<note place="foot" xml:id="ftn31"
                  n="31"> Die hier zum Ausdruck kommende Perspektivität der Repräsentation hat A.
                  Gurwitsch<lb/>subtil herausgearbeitet. </note> Die Substanz eint sie also nicht
               nur,<lb/>sondern konstituiert sie zugleich als Weltrepräsentation; und sie
               konstituiert<lb/>damit wiederum sich selbst in ihrer perspektivischen
               Individualität.</p>
            <p>Dies alles zeigt, daß Leibniz die Begriffe ens und unum erstens zu
               den<lb/>Fundamentalbegriffen des menschlichen Denkens zählt,<note place="foot"
                  xml:id="ftn32" n="32"> So enthalt der <hi rend="italic">Catalogus notionum
                     primarium</hi> die Begriffe „Ens per se, per accidens; <lb/>Unum per se, per
                     accidens<hi rend="superscript">1</hi>', VE III, S. 590. </note> daß sie
               zweitens<lb/>nur in der Reflexion gewonnen werden und daß die Weise, in der wir
               etwas<lb/>mit ihnen bezeichnen, eine Bedingung der Möglichkeit der Erkenntnis
               dar-<lb/>stellt, - also eine transzendentale Bedingung. Genau dort aber, nämlich
               un-<lb/>ter den Transzendentalien, hatte auch die Tradition den Begriff des
               unum<lb/>eingeordnet. Damit wird verständlich, wieso Leibniz ihn mit den
               Relationen<lb/>zusammenbringt; die nämlich haben für ihn einen vergleichbaren
               Status,<lb/>weil sie nicht unmittelbar Eigenschaften von Dingen sind.</p>
            <list type="ordered">
               <item><hi rend="italic">Das modale Problem der Einheit</hi></item>
            </list>
            <p>Auf dem Hintergrund des Aufrisses monadologischer Metaphysik stellt<lb/>sich nun das
               modale Problem der Einheit. Die leibnizsche Modaltheorie,<lb/>Grundlage der möglichen
               Welten, kann hierzu folgende Elemente namhaft</p>
         <pb n="279" facs="UNITA/UNITA_279.jpg"/> 
            <p>machen: Jeder Substanz, also jeder Monade korrespondiert ein
               vollständiger<lb/>Begriff der individuellen Substanz, der durch Bedingungen
               widerspruchs-<lb/>freier Verträglichkeit konstituiert ist.<note place="foot"
                  xml:id="ftn33" n="33"> Vgl. <hi rend="italic">Disc. Met.</hi> § 13 u. <hi
                     rend="italic">Primae veritates</hi> , C 520. </note> Aber die gesuchte Einheit
               und<lb/>Unteilbarkeit der Monade hat nichts zu tun mit der Unteilbarkeit der
               abso-<lb/>lut einfachen Begriffe, aus denen der vollständige Begriff der Monade
               zu-<lb/>sammengesetzt ist, obwohl - strukturell gesehen - für deren Existenz
               ge-<lb/>nauso wie bei den Monaden oder später bei Wittgensteins
               Elementärsatzen<lb/>ex negativo argumentiert wird: Es muß sie geben, weil es
               Zusammengesetztes<lb/>gibt. Obwohl nun die Monade keine Teile hat, hat sie sehr wohl
               innere<lb/>Zustände, denen wiederum Begriffskomplexe des vollständigen
               Begriffes<lb/>der individuellen Substanz korrespondieren; diese lassen sich darum
               begriff -<lb/>lich isolieren. Nun gehört der Begriff der Einheit selbst zu den
               absolut ein-<lb/>fachen Begriffen, ohne doch in die Zusammensetzung des vollständigen
               Be-<lb/>griffes einer individuellen Substanz eingehen zu können, weil es sich um
               ein<lb/>Transzendentale handelt, oder, anders gesagt, weil Unum nie Attribut
               sein<lb/>kein. Damit ergibt sich eine interessante Hierarchie unter den einfachen
               Be-<lb/>griff en, die hier jedoch nicht weiter untersucht werden kann. Doch
               ist<lb/>wichtig, festzuhalten daß die begriffliche Kennzeichnung von etwas als
               ein<lb/>unum nicht auf der Ebene von dessen vollständigem Begriff liegen
               kann.<lb/>Damit sind wir hinsichtlich der begrifflichen Kennzeichnung der
               indivi-<lb/>duellen Substanz als ein unum wieder zurückverwiesen auf die durch
               den<lb/>Substanzbegriff verbürgte formale Eigenschaft, daß ein Begriff genau
               dann<lb/>der vollständige Begriff einer individuellen Substanz ist, wenn er nie
               als<lb/>Prädikat, immer nur als Subjektbegriff auftreten kann: Nur auf dieser
               for-<lb/>malen Konstitutionsebene vermag der Begriff des unum zu greifen.
               Daraus<lb/>folgt aber in keiner Weise, wieso ein solcher Komplex, wenn er
               Substanz<lb/>ist, sich als Einheit in einem <hi rend="italic">Ich</hi> sollte sehen
               können. Doch die Schwierig-<lb/>keiten liegen noch tiefer, wenn man sich
               vergegenwärtigt, daß das formale<lb/>Kriterium der Substantialität und Einheit auch
               für alle <hi rend="italic">möglichen</hi> Indivi-<lb/>dualbegriffe möglicher
               Individuen aller möglichen Welten gilt! Die modale<lb/>Kompossibilitätsbedingung,
               welche die sämtlichen vollständigen Begriffe ei-<lb/>ner jeden möglichen Welt
               regiert, reicht gerade nicht aus, die <hi rend="italic">wirklichen</hi>
               In-<lb/>dividuen dieser Welt als unum per se gegenüber allen Möglichkeiten
               auszu-<lb/>zeichnen.</p>
            <p>Nun gibt es zwei Alternativen, die weiterführen könnten. Die eine be-<lb/>steht
               darin, sich darauf zu besinnen, daß entia in der leibnizschen Termino-<lb/>logie der
               regio idearum angehören, die alle möglichen Welten umfaßt; „ens<lb/>et unum
               convertuntur“ würde sich also hierauf beziehen müssen. Fraglos</p>
         <pb n="280" facs="UNITA/UNITA_280.jpg"/> 
            <p>kommt möglichen Individuen möglicher Welten Einheit zu; aber nur als<lb/>
               <hi rend="italic">Begriff</hi> haben sie Existenz. Doch diese Alternative scheidet
               hier schon des-<lb/>halb aus, weil Leibniz das scholastische Prinzip nie in einem
               solchen Sinne<lb/>verwendet, sondern - ebenso wie bei Ausdrücken wie ‘ens verum’
               oder<lb/>‘unum per se’ die Begriffe ‘unum’ und ‘ens’ stets auf das von Gott
               Geschaf-<lb/>fene bezieht. So betont Leibniz im Briefwechsel mit Amauld, nach
               seiner<lb/>Vorstellung gebe es keinerlei Realität ohne wahre Einheit.<note
                  place="foot" xml:id="ftn34" n="34"> ,,Je ne conçois nulle realité sans une
                  veritable unité“. An Amauld, 30.4.1687, GP 11.97 </note> - Der zweite<lb/>denkbare
               Ausweg besteht darin, zu fragen, was zum bloß möglichen Begriff<lb/>einer
               individuellen Substanz (als bloß begriffliche Einheit) hinzutreten<lb/>muß, um zur
               wirklichen individuellen Substanz (als der Einheit des perzi-<lb/>pierenden Ich) zu
               gelangen. Die Frage zielt also darauf, worin Christian<lb/>Wolffs von Kant so
               geschmähtes <hi rend="italic">complementum possibilitatis</hi> besteht. Wo-<lb/>durch
               unterscheidet sich die bloß mögliche Einheit von einer geschaffenen,<lb/>wirklichen
               Einheit? Ersichtlich - und darauf stützt sich Kants Kritik - kann<lb/>dieses
               complementum nicht in einem weiteren Begriff bestehen. Es ist also<lb/>auszuloten,
               was das göttliche Fiat, gestützt auf das Prinzip des Besten, der<lb/>bloß logischen
               Möglichkeit hinzufügt.</p>
            <list type="ordered">
               <item><hi rend="italic">Die Unio als principe actif</hi></item>
            </list>
            <p>In den <hi rend="italic">Nouveaux essais</hi> hebt Leibniz hervor, er habe „die
               wahren Prin-<lb/>zipien der Dinge“ in den „Einheiten der Substanz“ gefunden.<note
                  place="foot" xml:id="ftn35" n="35"> ,,Je trouve les vrais principes des choses
                  dans les unités de substance", <hi rend="italic">NE</hi> 1.1, A<lb/>VI.6.71.
               </note> Um diese<lb/>wahren Prinzipien geht es. Der Hinweis auf die Ich-Identität,
               die ich im<lb/>Wechsel erfahre, wird hierbei zum Schlüssel, denn der Wechsel betrifft
               ja<lb/>die Perzeptionen, also die Zustände des Ich selbst. Bei dem, was sich in
               die-<lb/>sen wechselnden inneren Zuständen durchhalt, handelt es sich, so
               Leibniz,<lb/>um ,,ein Lebendiges, das mit einer Seele begabt ist (oder mit einem ihr
               ana-<lb/>logen Prinzip der <hi rend="italic">Tätigkeit</hi>, das seine <hi
                  rend="italic">wahre Einheit</hi> ausmacht“.<note place="foot" xml:id="ftn36"
                  n="36">
                  <hi rend="italic">NE</hi> IV. 10 § 9, A VI.6.440; Herv. H.P. </note>
               <hi rend="italic">„Quelque<lb/>principe actif qui en fait la vraye Unité“ -</hi> das
               ist eine völlig andere Kenn-<lb/>zeichnung der Einheit als jene formale auf der
               begrifflichen Ebene! Sie<lb/>spiegelt sich unmittelbar in der Definition der Monade
               als der ursprüngli-<lb/>chen Einheit als ein „Etre capable d’Action“, wie Leibniz
               gleich zu Beginn<lb/>der <hi rend="italic">Principes de la nature et de la grace</hi>
                  formuliert.<note place="foot" xml:id="ftn37" n="37"> GP VI.598. </note>
               <hi rend="italic">Tätigkeit</hi> ist das ge-</p>
         <pb n="281" facs="UNITA/UNITA_281.jpg"/> 
            <p>suchte nicht-begriffliche complementum possibilitatis! Leibniz sagt dies im<lb/>
               <hi rend="italic">Système nouveau</hi> selbst ganz explizit: <hi rend="italic"
                  >,,l’acte</hi> ou le complement de la possi-<lb/>bilité“.<note place="foot"
                  xml:id="ftn38" n="38">
                  <hi rend="italic">Système nouveau</hi>, GP IV.479. </note> Analog definiert er,
               Formen seien für ihn nichts anders „als Tätig-<lb/>keiten oder Entelechien“.<note
                  place="foot" xml:id="ftn39" n="39"> „<hi rend="italic">Formae</hi> [...] nihil
                  aliud mihi sunt, quam Activitates seu Entelechiae, et substantiales qui-<lb/>dem
                  sunt Entelechiae primitivae“, an Johann Bernoulli, 18.11.1698, GM 111.551. </note>
               Damit nimmt Leibniz den Terminus auf, den<lb/>Aristoteles in <hi rend="italic">De
                  Anima</hi> für die tätige Einheit der Seele einführte.<note place="foot"
                  xml:id="ftn40" n="40">
                  <hi rend="italic">De Anima</hi> 412a 10 u. b 9, sowie 414a 25. Zu einer hierauf
                  aufbauenden Leibniz-Deutung <lb/>vgl. W. Jahnke: <hi rend="italic">Die höchste
                     Bedeutung von Einheit. Entelechie und Apperzeption in der
                     Monadolo-<lb/>gie,</hi> in: <hi rend="italic">Akten des [I.] Int.
                     Leibniz-Kongresses Hannover</hi> 1966, Bd. I, Wiesbaden 1968 (= <hi
                     rend="italic">Stud.<lb/>Leibn. Suppl.</hi> I), S. 161-174. </note>
            </p>
            <p>Das Element, das Leibniz zum Beleg der entelechialen Struktur der<lb/>Monade benennt,
               ist die „appétition“<note place="foot" xml:id="ftn41" n="41"> Monadologie § 15.
               </note> oder der „appetit“.<note place="foot" xml:id="ftn42" n="42"> An Bourguet,
                  Dez. 1714, GP III. 575. </note> Seit dem<lb/>
               <hi rend="italic">Système nouveau</hi> und dem <hi rend="italic">Specimen
                  dynamicum</hi> fundiert er dieses Streben<lb/>in der „vis primitiva activa“ und
               der ihr korrespondierenden „vis primitiva<lb/>passiva". Diese ursprüngliche aktive
               oder passive Kraft wird als die<lb/>„wahrhaftige unmittelbare Ursache“, als „intern“
               und als „strebend zu<lb/>neuen Perzeptionen“ beschrieben.<note place="foot"
                  xml:id="ftn43" n="43"> „La véritable cause immédiate“, <hi rend="italic">Th.</hi>
                  III.400, GP VI.354; vgl. <hi rend="italic">NE,</hi> A VI.6.210; „tendence à<lb/>de
                  nouvelles perceptions“, an Bourguet, 5.8.1715, GP ÜI.581. </note> Solches Streben
               ist <hi rend="italic">spontan</hi>, weil es<lb/>nicht von außen bewirkt ist, sondern
               allein aus dem Inneren der Monade<lb/>entspringt;<note place="foot" xml:id="ftn44"
                  n="44"> - nämlich „de son propre fond“, <hi rend="italic">NE</hi> 11.21 § 72.
               </note> und es ist gerichtet, weil die Perzeptionenabfolge durch das in-<lb/>nere
               Gesetz der Monade festgelegt wird, gegeben durch deren vollständi-<lb/>gen Begriff.
               Diese Spontaneität aber ist es, die den Substanzcharakter der<lb/>Monade garantiert,
               denn nur so ist die Monade <hi rend="italic">causa sui:</hi> Damit wird
               eine<lb/>weitere traditionelle Bestimmung der Substanz eingebunden und zur
               Fun-<lb/>dierung des Monadenkonzepts als unum und als Tätigsein verwendet.</p>
            <p>Faßt man das Ergebnis zusammen, so gilt nicht nur <hi rend="italic">ens et unum
                  conver-<lb/>tuntur</hi>, sondern auch <hi rend="italic">ens et actio
                  convertuntur,</hi>; oder wiederum mit Leibniz:<lb/>„Soweit mir der Begriff der
               Tätigkeit klar geworden ist, folgt meines Er-<lb/>achtens aus ihm und wird zugleich
               durch ihn erhärtet der allgemein aner-<lb/>kannte philosophische Satz, daß die <hi
                  rend="italic">Tätigkeit den Substanzen eigen ist.</hi> Und<lb/>dies finde ich so
               wahr, daß es auch in der Umkehrung richtig sein muß, so<lb/>daß also nicht nur alles,
               was handelt, eine Einzelsubstanz ist, sondern daß<lb/>auch jede Einzelsubstanz
               ununterbrochen handelt“.<note place="foot" xml:id="ftn45" n="45">
                       <hi rend="italic">De ipsa natura</hi> § 9, GP IV.509: „ita ut non tantum omne quod
                  agit sit substantia singula-<lb/>ris, sed etiam ut omnis singularis substantia
                  agat sine intermissione<hi rend="superscript">1</hi>*. </note>
            </p>
         <pb n="282" facs="UNITA/UNITA_282.jpg"/> 
            <p>Nun muß dem auch eine Entsprechung von unio und actio korrespon-<lb/>dieren. Der
               Zusammenhang von <hi rend="italic">Einheit</hi> und <hi rend="italic">Tätigkeit</hi>,
               der zugleich wieder<lb/>den von Einheit und Vielheit einbezieht, wird besonders
               scharf umrissen<lb/>mit der Bemerkung: ,,Die der Seele eigene Tätigkeit aber ist die
               Perzeption,<lb/>und die Verbindung der Perzeptionen bewirkt die Einheit des
                  Perzeptie-<lb/>renden“.<note place="foot" xml:id="ftn46" n="46"> „Unitatem
                     percipientis facit perceptionum nexus“, ausgelassenes Postscriptum zum Brief<lb/>an
                  Des Bosses, 24.4.1709, GP 11.372. </note> Damit ist die Einheit des wahrnehmenden
               Ich konstituiert durch<lb/>das Perzeptionengesetz in Verbindung mit der Tätigkeit des
               Appetitus, -<lb/>eine Lösung, welche die zentrale Bedeutung des Ich für die
               Leibnizsche<lb/>Monadologie deutlich werden läßt und die zugleich vorweist auf Kants
               Syn-<lb/>thesis der Apperzeption im transzendentalen Subjekt.</p>
            <p>All dies gilt unbeschadet des teleologisch-entelechialen Moments
               der<lb/>gesetzmäßigen Gerichtetheit des Appetitus. Leibniz beruft sich in
               diesem<lb/>Zusammenhang immer auf Aristoteles; so erklärt er, er erkenne mit
               Platon<lb/>und Aristoteles ,,im Körper eine tätige Kraft oder ἐντελέχεια an“; und
               et-<lb/>was spater gegen Descartes gewendet: ,,In den Entelechien oder dem δυνα-<lb/>
               μικόν sind die Prinzipien des Mechanismus enthalten“.<note place="foot"
                  xml:id="ftn47" n="47"> Mai 1702, GP IV.393 bzw. 399. </note> Der
               Mechanismus<lb/>der Körperwelt mit ihrer vis derivativa wird so zurückbezogen auf die
               mo-<lb/>nadische ,,vis primitiva activa vel substantialis“. Von ihr spricht Leibniz
               als<lb/>„vis activa primitiva quae Aristoteli dicitur ἐντελέχεια ἡ πρώτη,
               vulgo<lb/>forma substantiae“.<note place="foot" xml:id="ftn48" n="48"> L.c., S. 395.
               </note> Damit erfährt die Modaltheorie der aristotelischen<lb/>
               <hi rend="italic">Metaphysik</hi> eine neuzeitliche Umdeutung. Denn zum einen wird
               die aristo-<lb/>telische Finalität als monadische Entelechie im Reiche der Zwecke
               durch<lb/>den göttlichen Schöpfungsakt und die lex individui als das die
               individuelle<lb/>Perzeptionenfolge festlegende Gesetz bestimmt. Zum anderen
               erscheint<lb/>diese Finalität im derivativen Bereich der Materie als von Gott
               auferlegte<lb/>kausale Naturgesetzlichkeit der Phänomene. Damit ist ein dreifacher
               Per-<lb/>spektivenwechsel verbunden. <hi rend="italic">Erstens</hi> dominiert nicht
               mehr die modal<hi rend="italic">logi</hi>-<lb/>
               <hi rend="italic">sche</hi> Seite, denn sie gestattet gerade nicht die Auszeichnung
               von entia als<lb/>existierend und als Individuen mit Realität. Stattdessen wird eine
               dynami-<lb/>sche Modalität zum tragenden Element. <hi rend="italic">Zweitens</hi>
               wird nicht von möglichen<lb/>Welten, sondem von <hi rend="italic">dieser</hi> Welt
               ausgegangen. Das bedeutet modaltheore-<lb/>tisch eine Wende, die wir sonst Kant
               zuschreiben, wo Wirklichkeit zum<lb/>vorgängigen Modus wird; denn vom Pallas-Mythos
               in der <hi rend="italic">Theodizee</hi> abge-<lb/>sehen, interessieren Leibniz
               mögliche Welten nur zur Lösung des Freiheits-<lb/>problems und des Theodizeeproblems,
               nicht aber beispielsweise zur prak-</p>
         <pb n="283" facs="UNITA/UNITA_283.jpg"/> 
            <p>tischen Analyse unserer Handlungsentscheidungen in <hi rend="italic">dieser</hi>, der
                  wirklichen<lb/>Welt.<note place="foot" xml:id="ftn49" n="49"> Das spiegelt sich
                  auch in Leibnizens Gebrauch von ,,kontingent“: Nur eine Stelle ist
                  mir<lb/>bekannt, wo er von „falsae contingentes“ spricht <hi rend="italic">
                     (Generales inquisitiones</hi> § 61, C 371). Dasselbe<lb/>gilt für „faussettes
                  possibles“ (VE V, S. 1089). Vielmehr beschäftigt er sich sonst nur mit <hi
                     rend="italic">wahren<lb/>
                  </hi>kontingente Aussagen. Damit aber bezieht er sich auf diese Welt. </note>
               <hi rend="italic">Drittens</hi> muß damit zum logisch-kombinatorischen Prinzip,
               das<lb/>von der <hi rend="italic">Ars combinatoria</hi> bis zu den <hi rend="italic"
                  >Generales inquisitiones</hi> leitend war,<lb/>etwas Aktives hinzutreten, weil die
               Welt durch eine göttliche Aktivität ge-<lb/>schaffen und mit innerer Aktivität
               versehen ist. Dieses Aktive ist in modaler<lb/>Gestalt bei Aristoteles im Formbegriff
               gegeben, es wird in der Scholastik<lb/>zur forma substantialis ausgestaltet und in
               der Akt-Potenz-Lehre als Dyna-<lb/>mik entfaltet. Es galt nun für Leibniz, das
               Element der aristotelischen Ente-<lb/>lechie umzudeuten in eine neuzeitliche Sicht,
               die der Kausalität eine ange-<lb/>messene Rolle zuweist. Eben dies geschieht durch
               den Gesetzesbegriff, zu-<lb/>nähst als individuelles Gesetz, das jeder individuellen
               Substanz innewohnt,<lb/>dann als Naturgesetz, das die Phänomene regelt. Solche
               Gesetze konstituie-<lb/>ren einerseits <hi rend="italic">Einheit</hi> im Individuum
               und seiner Perzeptionenfolge und an-<lb/>dererseits <hi rend="italic">Ordnung</hi> in
               der Vielfalt der Phänomene. Sie garantieren damit<lb/>zum einen eine teleologische
               Deutung - Gott hat sie als Ordnungsprinzi-<lb/>pien festgelegt und damit den Weltlauf
               gewährt, dem wir zugehören. Zum<lb/>anderen erlaubt diese Wende, das Verhältnis von
               Einheit und Vielheit, von<lb/>Ordnung und Pluralität als <hi rend="italic"
                  >Harmonie</hi> zu verstehen, die letztlich das oberste<lb/>Ziel des Prinzips des
               Besten im göttlichen wie im menschlichen Handeln<lb/>darstellt. Die aber gewinnt eine
               gänzlich neuzeitliche Ausrichtung dadurch,<lb/>daß das Unum der Monade als einziges
               wirkliches Ens in Analogie zum Ich<lb/>gewonnen und gedeutet wird: ein substantielles
               Ich, das sich durch die<lb/>Vielheit der Perzeptionen als <hi rend="italic"
                  >seiner</hi> Perzeptionen als Einheit in seinem<lb/>Tätigsein allererst
               konstituiert. Das traditionelle Problem von Einheit und<lb/>Vielfalt wie das von ens
               et unum haben damit eine umfassende, dem<lb/>neuzeitlichen Denken angemessene
               Umdeutung erfahren.</p>
      </body>
   </text>
</TEI>
