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            <title>METHODOLOGISCHE EINHEIT UND CHARAKTERISTISCHE.VIELHEIT IN LEIBNIZ’ MATHEMATISCHEM
               SCHAFFEN</title>
            <author><name>Heinz-Jürgen</name>
               <surname>Heß</surname>
            </author>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <authority>ILIESI-CNR</authority>
            <availability>
               <p>Biblioteca digitale Progetto Agorà</p>
            </availability>
         </publicationStmt>
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               <title level="m">METHODOLOGISCHE EINHEIT UND CHARAKTERISTISCHE.VIELHEIT IN LEIBNIZ’ MATHEMATISCHEM
                  SCHAFFEN</title>
               <author>Heinz-Jürgen Heß</author>
               <title level="a"/>
               <publisher>Leo S. Olschki Editore</publisher>
               <editor/>
               <pubPlace>Roma</pubPlace>
               <idno type="isbn"/>
               <biblScope> pp. 241-256 (Collana Lessico Intellettuale Europeo, LXXXIV)</biblScope>
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            <docAuthor>Heinz-Jürgen Heß</docAuthor>
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               <titlePart>METHODOLOGISCHE EINHEIT UND CHARAKTERISTISCHE. VIELHEIT IN LEIBNIZ’ MATHEMATISCHEM
                  SCHAFFEN</titlePart>
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         <p> <hi rend="italic">Mathematische Gegenstände und mathematische Methoden</hi></p>
            <p>Die zentralen Wesenszüge der Mathematik haben historisch betrachtet<lb/>mehrere
               entscheidende Wandlungen erfahren. War die μαθηματικὴ τέχνη<lb/>
               zunächst eine praktische Disziplin des konkreten Messens und Rechnens,<lb/>so
               wurde sie in griechischer Zeit zu einer beweisenden Wissenschaft
               fort-<lb/>entwickelt. Diese prototypische Bedeutung behielt sie bis in die frühe
               Neu-<lb/>zeit hinein, wo ‘more geometrico’ gleichbedeutend für logisch
               zwingend<lb/>und allgemeingültig stand. Im 18. Jahrhundert bildete die Mathematik
               in<lb/>Verbindung mit der theoretischen Physik den Garanten für die
               Anwen-<lb/>dbarkeit menschlicher Rationalität zur Erklärung des
               Naturgeschehens.<lb/>Eine uneingeschränkte Vorhersehbarkeit und damit
               Beherrschbarkeit der</p>
            <p> En guise d’introduction et en nous appuyant sur l’histoire des mathématiques nous
               mettons<lb/>en évidence le changement perpétuel des traits caractéristiques des
               mathématiques, de la concep-<lb/>tion des objets mathématiques et de la prédomination
               des méthodes mathématiques. Nous exami-<lb/>nons ensuite l’oeuvre mathématique de G.
               W. Leibniz, soit imprimée soit inèdite, pour savoir s’il est<lb/>possible d’en
               dégager une unité de fond ou de méthode. Or la multiplicité prédomine, on
               n’en<lb/>saurait mettre en évidence une cohérence interne. Nous intercalons un
               sommaire de la théorie de<lb/>la connaissance selon Leibniz et nous montrons que le
               «bonum commune» s’y présente comme<lb/>objectif suprême du savoir humain. Or la
               connaissance humaine étant strictement limitée cette fin<lb/>ne peut être poursuivie
               qu’à l’aide de certains procédés compensateurs: l’analyse et la synthèse,
               le<lb/>repérage d’analogies et la supposition d’une logique universelle. Selon
               Leibniz cette logique com-<lb/>prend l’«ars judicandi» basée sur le principe de
               l’identité, et l’«ars inveniendi» appuyée sur le<lb/>principe de la continuité
               (l’analogie). L’unité méthodologique dont Leibniz se sert à avancer
               la<lb/>connaissance a comme concepts-limite l’unité individuelle (la substance) et
               l'unité universelle<lb/>(Dieu resp. sa création) - des concepts corrélatifs qui
               constituent en même temps des concepts-li-<lb/>mite de l’analyse respectivement de la
               synthèse. Nous examinons ensuite cette unité méthodolo-<lb/>gique que nous venons de
               repérer - par rapport à l’analyse et à la synthèse d’objets mathémati-<lb/>ques, à
               l’emploi de structures analogiques de procédés mathématiques et à la raison
               mathématique<lb/>déductive et inductive - et nous en dégageons les limites. En
               conclusion nous proposons des co-<lb/>nsidérations plus générales sur la relativité
               des points de vue relationnels et surtout corrélatifs. </p>
         <pb n="242" facs="UNITA/UNITA_242.jpg"/>
            <p>Welt durch den Menschen schien in greifbare Nähe gerückt zu sein. Im let-<lb/>zten
               Jahrhundert zeigten dann die experimentellen Naturwissenschaften<lb/>und die Technik
               deutliche Grenzen einer umfassenden Mathematisierung<lb/>der Welt auf. Parallel dazu
               verlief die Herausarbeitung struktureller und<lb/>kategorialer Gemeinsamkeiten
               mathematischer Gegenstände und Metho-<lb/>den. Um die letzte Jahrhundertwende wurde
               schließlich auch der Glaube<lb/>an die innermathematische Unfehlbarkeit
               (Widerspruchsfreiheit) durch die<lb/>Russellsche Antinomie erschüttert, woraus
               einerseits die Tendenz zu einer<lb/>universalen Axiomatisierung der Mathematik und
               andererseits die Bestre-<lb/>bungen zu einer intuitionistischen Fundierung dieser
               Disziplin resultierten.</p>
            <p>Dem Wandel der zentralen Wesenszüge der Mathematik entspricht<lb/>der Wandel in der
               Auffassung der mathematischen Gegenstände. Wurden<lb/>Zahlen und geometrische Figuren
               in vorgriechischer Zeit noch weitgehend<lb/>unreflektiert benutzt, sprach Platon
               diesen Gebilden ein eigenständiges Sein<lb/>im Reich der Ideen zu: die bisher realen
               Gegenstände der Mathematik wur-<lb/>den zu idealen Gegenständen des Geistes. In der
               frühen Neuzeit gesellten<lb/>sich diesen Idealisierungen die unendlich kleinen
               Indivisibilien (‘fiktive’<lb/>Größen) und die imaginären (‘falschen’) Größen hinzu,
               die zunächst zwar<lb/>nicht als reguläre mathematische Objekte akzeptiert wurden, mit
               denen<lb/>sich aber formai gut rechnen und letztendlich zu gesicherten
               mathema-<lb/>tischen Ergebnissen gelangen ließ. Die Zahl der rein formalen Kalküle
               nahm<lb/>im 18. Jahrhundert in Mathematik und theoretischer Physik stark zu, bis
               in<lb/>der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Rückbesinnung auf die
               Grundla-<lb/>genfragen der Mathematik einsetzte, die in der axiomatischen
               Mengenlehre<lb/>ihren bisher letzten Ausdruck fand. Für die numerische Mathematik des
               20.<lb/>Jahrhunderts waren allerdings weniger die Seinsweisen mathematischer
               Ge-<lb/>genstände von Belang als vielmehr die im Rahmen der Formalisierung
               und<lb/>Axiomatisierung der reinen Mathematik entwickelten Kalkiile und
               Algori-<lb/>thmen, mit deren Hilfe mathematische Approximationen und
               Simulationen<lb/>unter Einbeziehung statistischer Gesetzmäßigkeiten möglich wurden.
               Den-<lb/>noch bleiben bis heute etliche Desiderate hinsichtlich der Gewißheit
               mathe-<lb/>matischer Gegenstände; so etwa die Beweisbarkeit der Existenz
               unendlicher<lb/>Mengen (Unendlichkeitsaxiom) oder die Beweisbarkeit der Existenz
               des<lb/>Kontinuums geringster Mächtigkeit (Kontinuumshypothese).</p>
            <p>Obwohl eine grundsätzliche Reflexion iiber die mathematischen Me-<lb/>thoden im
               Verlauf der Mathematikgeschichte erst verhältnismäßig spät<lb/>einsetzte, wurde doch
               seit frühester Zeit die Beziehung von Mathematik<lb/>und Logik thematisiert. Hier ist
               vor allem Aristoteles zu nennen, der die<lb/>mathematischen Objekte als von den
               Dingen abstrahierte Eigenschaften an-<lb/>sali und auf diese Eigenschaften die
               klassische Logik ebenso anwandte wie<lb/>auf die konkreten Eigenschaften der
               empirischen Objekte. Die logisch (und</p>
         <pb n="243" facs="UNITA/UNITA_243.jpg"/>
            <p>schon teilweise axiomatisch) durchgeformte Mathematik, wie sie in Euklids<lb/>
               Elementen ihren Höhepunkt fand, ist ohne
               Aristoteles nicht denkbar. Auf<lb/>seiten der angewandten Mathematik entwickelte vor
               allem Archimedes eine<lb/>erste systematische Approximationsmathematik, indem er die
               krummlini-<lb/>gen Abstraktionsgebilde wie Kreis, Kugel etc. zu berechenbaren
               geradlini-<lb/>gen bzw. empirisch bekannten Objekten ins Verhältnis setzte oder
               sie<lb/>durch Schrankenbildung näherungsweise bestimmte. Den nächsten
               großen<lb/>Fortschritt brachte die Einführung von Buchstaben als Bezeichnung
               mathe-<lb/>matischer Größen (Viète), welche die Algebra revolutionierte, da durch
               sie<lb/>eine Vielzahl von Einzelfällen in einer einzigen Formel
               zusammengefaßt<lb/>werden konnte. Die konsequente Ausdehnung dieses Verfahrens auf
               geo-<lb/>metrische Objekte gelang Descartes mit seiner Koordinatengeometrie.
               Als<lb/>schließlich ab Mitte des 17. Jahrhunderts die transzendenten
               Größen<lb/>(Exponentialgleichungen, unendliche Reihen, Differential- und
               Integral-<lb/>größen) hinzukamen, geriet die anschauliche Geometrie durch die
               einset-<lb/>zende Algebraisierung und Formalisierung in die Gefahr, weitgehend
               aus<lb/>der Mathematik verdrängt zu werden. Zugleich entwickelte sich ein
               erbit-<lb/>terter Methodenstreit, der vor allem die Zulassung künstlicher, in der
               Natur<lb/>nicht nachweisbarer Größen, Bezeichnungen und Verfahren betraf.
               Auch<lb/>der Unterschied von Approximationsmathematik und reiner Mathematik<lb/>wurde
               erstmals grundlegend problematisiert (Newton, Leibniz). Aber we-<lb/>gen der
               unbezweifelbaren Erfolge der Mathematik in den exakten Natur-<lb/>wissenschaften
               obsiegten zunächst die Vertreter einer ergebnisbezogenen<lb/>Betrachtungsweise: Wenn
               das mathematische Ergebnis richtig und physika-<lb/>lisch nutzbar war, sollten alle
               dazu erforderlichen Methoden erlaubt sein.<lb/>Erst das 19. Jahrhundert unternahm
               eine methodische Neubegründung<lb/>nahezu aller mathematischen Objekte, von den
               natürlichen Zahlen bis hin<lb/>zur Theorie der Grenzwerte und der Überabzählbarkeit.
               In unserem<lb/>Jahrhundert gewannen dann, beflügelt durch die Möglichkeiten der
               ele-<lb/>ktronischen Datenverarbeitung, die Algorithmen und Kalküle der
               diskreten<lb/>numerischen Mathematik mehr und mehr an Einfluβ, so daß sie heute
               den<lb/>mengentheoretischen Methoden der reinen Mathematik des Kontinuums<lb/>den
               Rang streitig machen. - lm Rückblick läßt sich also feststellen, daß
               die<lb/>Mathematikgeschichte erfüllt ist von einer nahezu unbegrenzten
               Vielfalt<lb/>mathematischer Methoden und von einem standigen Auf und Ab
               metho-<lb/>dologischer Prävalenzen.</p>
         <p><hi rend="italic">Die Vielheit in Inhalt und Form der mathematischen Publikationen</hi></p>
             <p>Erwägt man die Fragestellung, ob das mathematische Schaffen von G. </p>
            <p>W. Leibniz stärker von Einheit stiftenden Gesichtspunkten oder mehr von</p>
            <pb n="244" facs="UNITA/UNITA_244.jpg"/>
            <p>pluralistischen Aspekten geprägt ist, so drängt sich sofort die zweite
               Alter-<lb/>native auf. Selbst wenn nur die verhältnismäßig geringe Zahl von
               Publika-<lb/>tionen, die Leibniz auf mathematischem Gebiet vorzuweisen hat,
               zugrunde-<lb/>gelegt wird, dominiert die übergroße Themen- und Verfahrensvielfalt.
               Die<lb/>thematischen Inhalte, nach der Chronologie geordnet, reichen von
               Kom-<lb/>binatorik, Zahlentheorie über Flachenbestimmungen und
               Integrationen,<lb/>Reihenlehre, mathematisch-physikalische Problemstellungen,
               Wirtschafts-<lb/>mathematik, allgemeine Differentialrechnungstheorie, spezielle
               Kurven, Dif-<lb/>ferentialgeometrie, Exponentialgleichungen, Differentialgleichungen,
               ma-<lb/>thematische Grundlagenfragen bis hin zur Binärarithmetik und zu
               Indi-<lb/>zierungsverfahren der Determinantenrechnung, wobei diese
               Aufstellung<lb/>keinesfalls vollständig sein kann, da jeweils nur das Hauptthema
               einer<lb/>Publikation berücksichtigt ist.</p>
            <p>Vielleicht erwächst aus dieser großen thematischen Vielheit unverhofft<lb/>eine
               Einheit, wenn man das methodische Verfahren der Leibnizschen Pu-<lb/>blikationen in
               den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. Doch weit gefehlt;<lb/>auch hierbei stößt man
               auf Pluralität und Verschiedenartigkeit, wo Einheit-<lb/>lichkeit zu erwarten wäre.
               Zwar kreist die überwiegende Mehrzahl seiner<lb/>Publikationen um das Desiderat einer
               Erweiterung der ‘analyse ordinaire’<lb/>durch Einbeziehung des ‘nouveau calcul des
                  transcendantes’,<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
                  Vgl. 
                  die
                  Abhandlung
                     <hi rend="italic">Considerations sur la différence qu’il y a à observer entre
                     l’analyse or-<lb/>dinaire et le nouveau calcul des transcendantes</hi> ,Aug. 1694.
               </note> worunter<lb/>Leibniz einmal die Theorie der Exponentialgleichungen und die
               der unend-<lb/>lichen Reihen, zum anderen aber auch die Theorie der Differentiale
               bzw.<lb/>Integrale und der dazugehörigen Gleichungen verstand und in deren
               Be-<lb/>reich auch eine Vielzahl neuer mathematischer Objekte
               (Optimierungskur-<lb/>ven, differentialgeometrische Kurven) fiel, zu welchen die
               bisherige Descar-<lb/>tessche Mathematik keinerlei adäquaten Zugang bot. Aber die Art
               und<lb/>Weise, in der Leibniz diese große mathematische Herausforderung
               seiner<lb/>Zeit in seinen Zeitschriftenbeiträgen behandelte, war keineswegs
               methodi-<lb/>sch einheitlich; es sei denn, man sieht die Einheitlichkeit darin, daβ,
               was<lb/>auch immer Leibniz an neuen mathematischen Erkenntnissen mitteilte,
               die<lb/>zu ihrer Entdeckung führende Methode unterschlagen wurde: “II est
               bon<lb/>cependant de ne pas prostituer nos Methodes, sur tout à l’egard des
               gens,<lb/>qui en usent avec un peu de supercherie”.<note place="foot" xml:id="ftn2"
                  n="2"> Leibniz an L’Hospital, 8. Mai 1693 (GM II, 238). </note> Die Gründe für den
               Mangel an<lb/>methodischer Einheitlichkeit der Vorgehensweise sind weniger bei
               den<lb/>Inhalten als bei den Anlässen der Leibnizschen Publikationen zu
               suchen:<lb/>Diese wurden nämlich in ihrer überwiegenden Mehrzahl durch die
               Erfor-<lb/>dernisse der Respublica literaria bestimmt. So brachte Leibniz in
               jungen</p>
         <pb n="245" facs="UNITA/UNITA_245.jpg"/>
            <p>Jahren Proben seines Könnens und später Texte zur Sicherung seiner
               Prio-<lb/>ritätsansprüche sowie Reaktionen auf Publikationen oder briefliche
               Mittei-<lb/>lungen konkurrierender Gelehrter an die Öffentlichkeit, wobei viele
               Bei-<lb/>träge zugleich auch als Unterstützung der wichtigsten deutschen
               Gelehrten-<lb/>zeitschrift, der <hi rend="italic">Acta
                  eruditorum</hi>, gedacht waren. Publikationen aber, die ein<lb/>ausgewähltes
               mathematisches Gebiet systematisch und tendenziell erschöp-<lb/>fend behandelten,
               suchte man bei dem Autor Leibniz beinahe vergeblich.<note place="foot" xml:id="ftn3"
                  n="3">
                  Relativ systematisch sind die Abhandlungen 
                  <hi rend="italic">Nova methodus pro maximis et minimis</hi>
                  , Okt.<lb/>
                  1684,
                  <hi rend="italic">Quadratura arithmetica communis sectionum conicarum</hi>, Apr. 1691, 
                  <hi rend="italic">Supplementum geome-<lb/>trie practicae</hi>, 
                  Apr. 1693,
                  <hi rend="italic">Nova calculi differentialis applicatio et usus</hi>, Jul. 1694, sowie die beiden<lb/>
               Beiträge
                  zur ‘scientia 
                  infiniti’
                  <hi rend="italic">Specimen novum analyseos</hi>, 
                  Mai 1702, und
                  <hi rend="italic">Continuatio analyseos<lb/> quadraturarum</hi>, 
                    Jan. 1703.
               </note>
               <lb/>In Zeitschriftenbeiträgen, die aus den unterschiedlichsten außeren
               Anlässen<lb/>und häufig ohne Zugriffsmöglichkeiten auf frühere Aufzeichnungen zur
               je-<lb/>weiligen Thematik niedergeschrieben wurden, mußte die
               Darlegungsweise<lb/>zwangsläufig okkasionell und uneinheitlich ausfallen.</p>
         <p><hi rend="italic">Die Vielheit in Inhalt und Vorm der Briefe und posthumen Veröffentlichungen</hi></p>
            <p>Nun hat Leibniz selbst vor solcherlei Untersuchungen gewarnt, als er<lb/>sagte: “...
               qui me non nisi editis novit, non novit”.<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
                  Leibniz an Placcius, 2. Marz 1696 (Dutens VI. 1, 65). </note> Man wird also
               neben<lb/>seinen Publikationen zumindest seine brieflichen Äußerungen und,
               soweit<lb/>möglich, seine posthum erschienenen Werke einzubeziehen haben. Die
               be-<lb/>grenztere Öffentlichkeit der Briefe und insbesondere die von vielen
               Briefen<lb/>überlieferten Konzepte, die meist offener und aussagekräftiger sind als
               die<lb/>abgesandten Fassungen, lassen einen tieferen Einblick in die Werkstatt
               sei-<lb/>nes mathematischen Schaffens erwarten. Ebenso verfeinern die von C.
               I.<lb/>Gerhardt, L. Couturat u. a. herausgegebenen Textsammlungen aus dem<lb/>Nachlaß
               - die vielfach auf Handschriften basieren, die in einer Reinschrift<lb/>vorliegen und
               daher in aller Regel eine größere Reife als andere Texte auf-<lb/>weisen dürften -
               unser Wissen von der Leibnizschen Gedankenwelt.</p>
            <p>Doch was auf dieser neuen Textgrundlage als erstes sichtbar wird, ist<lb/>eine
               abermalige Ausweitung der Themenvielfalt und der Darlegungsmetho-<lb/>den. Die
               geometrische Charakteristik, die ‘analysis situs’, die Determinan-<lb/>tentheorie,
               Gebiete, über die Leibniz fast nichts publiziert hatte, aber auch<lb/>Schriften zu
               den Grundelementen der Mathematik, zur mathematischen<lb/>Logik oder zur ‘mathesis
               generalis’ sind nicht nur im brieflichen Austausch<lb/>mit den Freunden häufig
               erwähnte Projekte; in den posthumen Editionen<lb/>finden sich sogar etliche
               vergleichsweise systematische Abhandlungen zu</p>
         <pb n="246" facs="UNITA/UNITA_246.jpg"/>
            <p>diesen Gebieten.<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5"> Hier nur einige Beispiele:
                  <hi rend="italic">Nova algebrae promotio,</hi> um 1694; <hi rend="italic">Mathesis
                  universalis,</hi> um <lb/>1694; <hi rend="italic">In Euclidis Prota </hi>, um
               1711; <hi rend="italic">Specimen geometriae luciferae</hi> , um 1714. </note> Aber
            auch wenn in diesen Abhandlungen häufig auf De-<lb/>finitionen, Axiome, Propositionen
            und Demonstrationen zurückgegriffen<lb/>wird oder etliche die Form von sorgfältig
            ausgearbeiteten Dialogen haben:<lb/>von einem einheitlichen methodischen Vorgehen kann
            hier dennoch nicht<lb/>ernsthaft gesprochen werden. Je nach geplantem Verwendungszweck
            bzw.<lb/>intendiertem Adressatenkreis variieren Darlegungsformen und
            struktureller<lb/>Aufbau in vielfältiger Weise. Da zu Leibniz’ Lebzeiten außer der
            kombina-<lb/>torischen Jugendschrift <hi rend="italic">De arte combinatoria</hi> von
            1666 keine mathematische<lb/>Monographie erschien und auch bis heute lediglich ein
            halbes Dutzend mo-<lb/>nographisch ausgeformter mathematischer Texte, von denen vor
            allem <hi rend="italic">De<lb/>quadratura arithmetica</hi>, 1993, und <hi rend="italic"
               >Ein Dialog zur Einführung in die Arithme<lb/>tik und Algebra</hi>, 1976, Erwähnung
            verdienen, ediert worden sind,<note place="foot" xml:id="ftn6" n="6"> Hier sind neben
               den genannten vor allem E. Knobloch, <hi rend="italic">Die mathematischen Studien...
                  zur<lb/>Kombinatorik</hi> , 1976; H. J. Zacher, <hi rend="italic">Die
                  Hauptschriften zur Dyadik,</hi> 1973; J. Echeverría, <hi rend="italic"
                  >Characteri-<lb/>stica geometrica</hi> ,1979; H. P. Münzenmayer, <hi rend="italic"
                     >Der Calculus Situs und die Grundlagen der Geometrie</hi>, <lb/>1978; E. Knobloch, <hi
                  rend="italic">Der Beginn der Determinantentheorie</hi>, 1980; E. Pasini,<hi
                  rend="italic">La nozione di infinite-<lb/>simo,</hi>1985-1986, anzuführen. </note>
            kann<lb/>auch für diese Textgruppe die Annahme einer methodischen Einheitli-<lb/>chkeit
            nicht aufrechterhalten werden.</p>
         <p><hi rend="italic">Die Vielheit in Inhalt und Vorm der nachgelassenen Schriften</hi></p>
            <p>Bleibt also die Hoffnung, daß uns die im Nachlaß schlummernden<lb/>Texte eine bisher
               verborgen gebliebene Einheit aufzeigen werden. Nun<lb/>sind aber Nachlaßwerke in
               aller Regel unfertige, wenig durchgeformte und<lb/>unredigierte Texte, die entweder
               nicht für die Öffentlichkeit bestimmt oder<lb/>gedanklich und sprachlich nicht so
               weit gediehen waren, daß sie der<lb/>Öffentlichkeit übergeben werden konnten. Bei
               Leibniz’ Nachlalß kommt er-<lb/>schwerend hinzu, daß er von einem geradezu
               unvorstellbaren Umfang ist,<lb/>da dieser Gelehrte die Gewohnheit hatte, fast jeden
               Notizzettel aufzube-<lb/>wahren. In Anbetracht dieser Papiermenge kann es nicht
               überraschen, daß<lb/>von seinem naturwissenschaftlichen Nachlaß nicht einmal die
               Hälfte katalo-<lb/>gisiert und erschlossen ist. Diese Unwägbarkeiten einmal
               vorausgesetzt, ist<lb/>es für mich nach einem Vierteljahrhundert täglichen Umgangs
               mit diesem<lb/>Handschriftenfundus dennoch unzweifelhaft, daß die mathematischen
               Ma-<lb/>nuskripte im Nachlaß eine zumindest ebenso große Vielfalt an Themen
               und<lb/>eine vergleichbar große Variationsbreite an methodischen
               Vorgehensweisen<lb/>enthalten, wie das bisher aus dem Nachlaß edierte mathematische
               Œuvre.</p>
         <pb n="247" facs="UNITA/UNITA_247.jpg"/>
            <p>Auch in seinen persönlichsten Aufzeichnungen hat Leibniz keine Konzep-<lb/>tion eines
               einheitlichen Gebäudes seiner mathematischen Errungenschaften<lb/>und keinen Entwurf
               einer einheitlichen Methode ihrer Herleitung hinterlas-<lb/>sen.<note place="foot"
                  xml:id="ftn7" n="7">
                Übersichten über den mathematischen Nachlaß gibt es leider nur
                     für die Pariser und die<lb/>ersten hannoverschen Jahre; vgl. E. Knobloch, 
                  <hi rend="italic">Übersicht über die unveröffentlichten mathemati-<lb/>schen
                     Arbeiten von Leibniz (1672-1676),</hi>
                   1978, bzw. H.-J. Heß, 
                  <hi rend="italic">Maturing in retirement. The un-<lb/>known period of Leibnizian
                     calculus between Paris and publication (1676-1684),</hi>
                1991.
               </note> Die ‘scientia infiniti’ ist nicht einmal in Teilen geschrieben
               worden,<lb/>die ‘analysis situs’ und die ‘characteristica universalis’ liegen
               lediglieli in<lb/>thematisch sehr begrenzten und methodisch variierenden Konzepten
               vor.<lb/>Seine Algebra und seine diophantische Arithmetik waren an den
               neuen<lb/>Aufgabenstellungen sachlich und methodisch weitgehend gescheitert.
               Vor<lb/>diesem Hintergrund ist auch im Opus posthumum von G. W. Leibniz<lb/>keine
               Einheit in Inhalt und Form zu erwarten.</p>
         <p><hi rend="italic">Ein Abriß der Leihnizschen Erkenntnistheorie</hi></p>
            <p>Ist somit auf Einheit im mathematischen Schaffen des berühmten<lb/>Barockgelehrten
               endgültig zu verzichten? Haben seine grenzenlosen
               ma-<lb/>thematisch-naturwissenschaftlichen Interessen und Bemühungen zu
               einer<lb/>inhaltlich und formai rein additiven Wissensanhäufung in seinem
               Denken<lb/>und Schaffen geführt? Galt ihm letztlich Quantität und Priorität mehr
               als<lb/>Qualität und Perfektion? Während unsere bisherigen Darlegungen die
               Be-<lb/>jahung der ersten beiden Fragen nahelegen könnten, müssen bei der
               Beant-<lb/>wortung der dritten Frage Zweifel aufkommen: Hatte nicht gerade
               Leibniz<lb/>seine Entdeckungen auf dem Gebiet der Infinitesimalrechnung fast
               10<lb/>Jahre lang zurückgehalten? Hatte er seine Kreisquadratur nicht - nach
               ei-<lb/>nem ersten Publikationsversuch - trotz Drängens seiner Freunde zur
               Seite<lb/>gelegt, weil sie seiner Meinung nach nicht mehr dem Stand der
               Forschung<lb/>entsprach? Hatte nicht der Nestor der Infinitesimalrechnung, um
               seine<lb/>grundlegende Schrift zur ‘scientia infiniti’ reicher und vollständiger
               werden<lb/>zu lassen, Jacob Bernoulli u. a. eingeladen, aktuelle Beiträge
               beizusteuern?<lb/>Wenn Leibniz also doch Qualität und Perfektion - trotz aller
               Vielseitigkeit<lb/>und Variabilität - am Herzen lagen, so muß seinem
               Erkenntnisstreben eine<lb/>Wertordnung zugrundegelegen haben, deren Kenntnis für die
               Beantwor-<lb/>tung der aufgeworfenen Fragen unerläßlich ist.</p>
            <p>Das Wissen des Menschen ist nach Leibniz’ Überzeugung nicht Selbst-<lb/>zweck,
               sondern es dient dem “bien commun, qui n’est point different de la</p>
         <pb n="248" facs="UNITA/UNITA_248.jpg"/>
            <p>gloire de Dieu”.<note place="foot" xml:id="ftn8" n="8"> GP VI, 27. </note> Da die
               menschlichen Erkenntnisvermögen im Gegensatz<lb/>zum göttlichen grundsätzlich
               begrenzt und weniger leistungsfähig sind, be-<lb/>dürfen sie methodischer Verfahren,
               um die kreatürlichen Unzulänglichkei-<lb/>ten so weit wie möglich zu kompensieren. Zu
               diesen Verfahren gehören<lb/>Analyse und Synthese,<note place="foot" xml:id="ftn9"
                  n="9"> Vgl. die grundlegende Abhandlung <hi rend="italic"> De synthesi et analysi
                     universali seu arte inveniendi et <lb/>judicandi </hi> aus der Zeit 1680-1684
                  (GP VII, 292-298). </note> das Auffinden von Analogien<note place="foot"
                  xml:id="ftn10" n="10"> Der Begriff ‘Analogie’ ist bei Leibniz von einer beinahe
                  unbegrenzten Variabilität und, so-<lb/>weit uns bekannt, nirgendwo exakt
                  definiert. Einziges Kriterium der Verwendung ist die<lb/>Vergleichbarkeit, unter
                  der Prämisse, daß keine Gleichheit vorliegt. Dabei kann das ‘tertium
                  com-<lb/>parationis’ fast beliebig gewählt werden: inhaltlich, formai, strukturell
                  etc. Sehr häufig vorkom-<lb/>mende Analogien sind bei Leibniz <hi rend="italic">
                     corps (substance </hi>) und <hi rend="italic"> esprit (âme), choses sensibles
                  </hi> und <hi rend="italic"> choses <lb/>insensibles </hi> sowie <hi rend="italic"
                     > plantes </hi> und <hi rend="italic"> animaux. </hi>
               </note> sowie die Annahme<lb/>einer universalen Logik.<note place="foot"
                  xml:id="ftn11" n="11"> “Et vero reapse in Mundo deprehendimus omnia fieri secundum
                  leges aeternarum verita-<lb/>tum non tantum Geometricas sed et Metaphysicas, id
                  est non tantum secundum necessitates mate-<lb/>riales, sed et secundum rationes
                  formales; idque verum est non tantum generaliter in ea quam<lb/>nunc explicavimus
                  ratione Mundi existentis potius quam non existentis, et sic potius quam
                  aliter<lb/>existentis..., sed etiam ad specialia descendendo videmus mirabili
                  ratione in tota natura habere lo-<lb/>cum leges metaphysicas causae, potentiae,
                  actionis...” (GP VII, 305). </note> Die Analyse von Begriffen und Gegenständen
               mit<lb/>dem Ziel, alle ihre Eigenschaften zu bestimmen, sowie die gegenläufige
               Syn-<lb/>these von Teilstücken zu einem größeren relativen Ganzen erhalten
               ihre<lb/>fundamentale Bedeutung durch die Leibnizsche Überzeugung, daß die
               Ver-<lb/>nunftwahrheiten analytische Urteile sind, während die kontingenten
               (zufäl-<lb/>ligen) Wahrheiten die Form synthetischer Urteile haben. Bei der
               Analyse<lb/>gilt es, letzte Grundeinheiten (primitive Elemente) zu finden, die
               Synthe-<lb/>se führt durch Kombination bereits bekannter Teilerkenntnisse zu
               einer<lb/>neuen, umfassenderen Erkenntnis. Die für die unvollkommenen
               menschli-<lb/>chen Erkenntnisvermögen typischen Analogien sind Vergleichbarkeiten
               ins-<lb/>besondere formaler und struktureller Art, wie sie am einfachsten in
               den<lb/>Proportionen geometrischer Größen zum Ausdruck kommen, wie sie aber<lb/>auch
               in der höheren Mathematik etwa bei der Bildung der n-ten Potenz ei-<lb/>nes Binoms
               bzw. bei der Bildung der n-ten Ableitung eines Produktes<lb/>zweier Funktionen
               augenfällig werden. Schließlich müssen alle menschli-<lb/>chen Erkenntnisse mittels
               einer durchgangigen Logik miteinander ver-<lb/>knüpft sein, einer Logik, die sowohl
               allem durch Gott Geschaffenen als<lb/>auch unserem Wissen von den geschaffenen Dingen
               zugrundeliegt. Erst die<lb/>Identität von Schöpfungslogik und Erkenntnislogik
               garantiert die Kompati-<lb/>bilität von Sein und Wissen.</p>
            <p>Was folgt nun aus dieser Konzeption der Leibnizschen Erkenntnistheo-<lb/>rie für die
               Frage nach Einheit und Vielheit in seinem mathematischen</p>
         <pb n="249" facs="UNITA/UNITA_249.jpg"/>
            <p>Schaffen? Zunächst einmal offensichtlich nicht die Einheitlichkeit der
               ma-<lb/>thematischen Erkenntnisse oder gar ein einheitliches mathematisches
               System<lb/>(vergleichbar etwa dem Bourbaki-Projekt); denn über die
               charakteristi-<lb/>schen Eigenschaften der einzelnen Erkenntnisgegenstande und ihrer
               spezi-<lb/>fischen gegenseitigen Beziehungen läßt sich aus einer solchen
               Konzeption<lb/>nichts Definitives herleiten. Aber wohl auch nicht die Einheitlichkeit
               der<lb/>mathematischen Methode (vergleichbar etwa der Hilbertschen Axiomatik<lb/>in
               der Geometrie); denn Leibniz betont immer wieder “variare methodos<lb/>ad
               perfectionem scientiae pertinet, quia aliae Methodi aliis problematis
               sunt<lb/>aptiores, et quasi a natura assignatae”.<note place="foot" xml:id="ftn12"
                  n="12"> Leibniz für die <hi rend="italic"> Acta eruditorum </hi>, 17. Oktober 1684
                  (A III.4, 180). </note> Folglich kann eine möglicherweise<lb/>vorhandene Einheit
               nur auf einer höheren Reflexionsebene gesucht werden.</p>
            <p>Der Begriff ‘Einheit’ hat zwei Grenzbedeutungen: eine als kleinstmögli-<lb/>che
               Einheit im Sinne von unteilbar oder letztgültig <hi rend="italic"
                  >(Unum)</hi> und eine als al-<lb/>les umfassende Einheit im Sinne von vollständig
               oder vollkommen (<hi rend="italic">Totum</hi>).<lb/>Daher scheint es
               so, als ob der Begriff ‘Einheit’ zwei entgegengesetzte<lb/>Dinge, nämlich das
               Individuale bzw. das Universale, bezeichne. Diese Be-<lb/>griffe sind aber nur
               Korrelata ein und derselben Relation: Ist das Ganze<lb/>mehr als die Summe seiner
               Teile, so bildet es eine individuelle Einheit; ist<lb/>das Individuum mehr als ein
               bloßes Teilstück eines größeren Ganzen, so<lb/>bildet es eine ganzheitliche Einheit.
               In Leibniz’ Metaphysik sind nun diese<lb/>Grenzbedeutungen leicht zuzuordnen: Die
               kleinstmögliche Einheit ist die<lb/>Substanz oder Monade; die alles umfassende
               Einheit ist die Schöpfung als<lb/>Reich der Gnade. Erkenntnistheoretisch formuliert,
               ist der Zielpunkt der<lb/>Analyse die substantielle, charakteristische Einheit und
               der für den Men-<lb/>schen nie erreichbare Endpunkt der Synthese die Welterkenntnis
               Gottes.<lb/>Die diesen Korrelata zugrundeliegende methodologische Relation ist
               die<lb/>Logik in der Leibnizschen Auffassung dieses Begriffs: “Unter der
               Logick<lb/>oder Denckkunst verstehe ich die Kunst den verstand zu gebrauchen,
               also<lb/>nicht allein was fürgestellet zu beurtheilen, sondern auch was verborgen
                  zu<lb/>erfinden”.<note place="foot" xml:id="ftn13" n="13"> Leibniz an Gabriel
                  Wagner, Ende 1696 (GP VII, 516). </note> Diese Logik geht analysierend und
               synthetisierend ihrer Auf-<lb/>gabe der Erkenntnisgewinnung nach und bedient sich
               dabei der Gleichheit<lb/>(Prinzip der Identität und des ‘tertium non datur’) im
               Bereich der ‘ars judi-<lb/>candi’ und der Analogie (Prinzip der Kontinuität<note
                  place="foot" xml:id="ftn14" n="14"> “Analogia autem in eo fundatur, ut quae in
                  multis conveniunt aut opposita sunt, ea in da-<lb/>tis quoque vicinis ad priora
                  convenire aut opposita esse suspicemur” (A VI.3, 425 f.). </note>) im Bereich der
               ‘ars in-<lb/>veniendi’. An dieser erkenntnistheoretisch-methodologischen Einheit
               von<lb/>Individualität und Totalität, von Analyse und Synthese, von Identitat
               und<lb/>Analogie sowie von ‘ars judicandi’ und ‘ars inveniendi’ müssen sich also</p>
         <pb n="250" facs="UNITA/UNITA_250.jpg"/>
         <p>Qualität und Perfektion auch von
               mathematisch-naturwissenschaftlichen<lb/>Erkenntnissen messen lassen; sie ist das
               einende und Vollkommenheit stif-<lb/>tende Band von Geometrie und Algebra.</p>
         <p><hi rend="italic">Die Einheit von Analyse und Synthese mathematischer Gegenstände</hi></p>
            <p>Wie sieht nun diese methodologische Einheit der Leibnizschen<lb/>Erkenntnistheorie im
               Bereich der mathematischen Erkenntnisgewinnung<lb/>aus? Da ist zunächst die Einheit
               von Analyse und Synthese herauszustellen,<lb/>ein Begriffspaar, welches in der
               Mathematikgeschichte bisher eher konträre<lb/>Methoden gekennzeichnet hatte. Für die
               Analyse als Zergliederung bis in<lb/>die letzten Grundbegriffe bildeten die
               Euklidischen<hi rend="italic">Elemente</hi>das Para-<lb/>digma,
               für die Synthese zu einer Theorie aller geometrischen Kurven auf<lb/>der Basis der
               sie repräsentierenden algebraischen Gleichungen und ihrer<lb/>Schnittgebilde war im
               17. Jahrhundert die Descartessche <hi rend="italic">Geometria</hi>
               das al-<lb/>lseits anerkannte Vorbild. Leibniz versuchte nun beide methodischen
               An-<lb/>sätze miteinander zu verbinden und sowohl die Rückführung auf
               Grundele-<lb/>mente als auch die Zusammenfassung zu einer alle Möglichkeiten
               umfassen-<lb/>den Gesamtheit als notwendig aufeinander bezogene Verfahren
               hinzustel-<lb/>len. Dies wird besonders deutlich in der Gleichungslehre, wo er
               einerseits<lb/>bestrebt war, das Problem der algebraischen Gleichungen höheren
               Grades<lb/>auf bestimmte Lösungsformen (z. B. Cardanische) bzw. auf
               bestimmte<lb/>Gleichungsformen (Formentafeln) zurückzuführen, und andererseits die
               al-<lb/>gebraischen Gleichungen - als endliche Gleichungen mit einem
               bestimmten<lb/>Grad - einzuordnen in die Gesamtheit aller möglichen Gleichungen, zu
               de-<lb/>nen er auch die transzendenten Gleichungen zählte.<note place="foot"
                  xml:id="ftn15" n="15"> Die Gleichungen teilte Leibniz in algebraische mit der
                  Untergliederung in rationale (dio-<lb/>phantische) bzw. irrationale Gleichungen
                  einerseits und transzendente mit der Untergliederung in<lb/>endliche bzw.
                  unendliche Gleichungen andererseits. Die endlichen transzendenten
                  Gleichungen<lb/>wiederum wurden in Exponentialgleichungen und Differential- bzw.
                  Integralgleichungen unter-<lb/>teilt; die unendlichen Gleichungen waren
                  Potenzreihen. </note> Vergleichbares laßt<lb/>sich auch in der Integrationstheorie
               aufzeigen, wo Leibniz zum einen<lb/>glaubte, die Bestimmung aller unbestimmten
               Integrale auf die Quadratur<lb/>weniger Grundintegrale (z. B. des Kreises und der
               Hyperbel) reduzieren<lb/>zu können, und zum anderen ein allgemeines für alle
               Integrationsaufga-<lb/>ben gültiges Lösungsverfahren durch Potenzreihenansatz mit<lb/>
               unbestimmten Koeffizienten entwickelte. Daß er sich
               bewußt war, daß<lb/>die methodologische Einheit von Analyse und Synthese auch zwei
               Vor-<lb/>gehensweisen eint, die in der Mathematikgeschichte häufig genug
               Anlaß<lb/>zum Methodenstreit gegeben haben, zeigt das folgende Zitat: “Analysis</p>
            <pb n="251" facs="UNITA/UNITA_251.jpg"/>
            <p>enim duorum est generum, una per saltum, cum problema propositum re-<lb/>solvimus ad
               prima usque postulata; altera per gradus, cum problema propo-<lb/>situm reducimus ad
               aliud facilius”.<note place="foot" xml:id="ftn16" n="16"> Leibniz an Huygens für
                  Fatio de Duillier, 5. Oktober 1691 (GB, 677). </note>
            </p>
         <p><hi rend="italic"> Die Einheit von analogen Strukturen mathematischer Verfahren</hi>
              </p>
            <p>Der Begriff ‘Analogie’ bezieht sich bei Leibniz manchmal auf Dinge,<note place="foot"
                  xml:id="ftn17" n="17"> “II faut s’accoustumer aux analogies, sçavoir deux ou
                  plusieurs choses fort differentes<lb/>estant données, trouver leur ressemblances”
                  (A VI.3, 673). </note>
               <lb/>häufiger auf Größen oder geometrische Figuren. Von besonderer Wichtig-<lb/>keit
               ist die Analogie von Verhältnissen oder, wie wir heute sagen würden,<lb/>von
               Strukturen. Sowohl bei Größen und Figuren als auch bei Strukturen<lb/>spricht Leibniz
               von ‘Analogie’, wenn keine Gleichheit, sondern lediglich<lb/>Ähnlichkeit vorliegt:
               “analogia seu ipsarum similitudinum comparatio”<note place="foot" xml:id="ftn18"
                  n="18"> C, 434. </note>
               <lb/>Die wohl wichtigste Analogie in der Leibnizschen Mathematik ist die
               zwi-<lb/>schen den Verhältnissen bei beliebig kleinen Größen bzw. Figuren
               (insbe-<lb/>sondere beim charakteristischen Dreieck) und den Verhältnissen bei
               dazu<lb/>ähnlichen endlichen Größen bzw. Figuren. Diese Analogie von
               infinitesima-<lb/>len Strukturen und finiten Strukturen setzt ebenso eine
               durchgangige Ho-<lb/>mogenitat mathematischer Größen voraus wie die Analogie der
               Ordnungs-<lb/>struktur einer endlichen Reihe zur Ordnungstruktur der
               entsprechenden<lb/>ins Unendliche fortgesetzten Reihe. Aber auch endliche
               Iterationsstruktu-<lb/>ren weisen untereinander analoge Eigenschaften auf.
               Berühmtestes Beispiel<lb/>ist die Analogie von n-ter Binompotenz und n-ter Ableitung
               eines Produk-<lb/>tes, eine Analogie, die Leibniz sogar bis zu den gebrochenen
               Potenzen ver-<lb/>folgte. Die analogen Strukturen von iterativen
               Approximationsverfahren<lb/>(Picardsches Verfahren) gehören ebenfalls hierher. Als
               letzten Beleg für die<lb/>Analogie von Strukturen wollen wir das sog. Prinzip der
               Komplementarität<lb/>anführen, welches die Möglichkeit eröffnet, die Lösung eines
               Problems<lb/>(teilweise) im inversen Operationsbereich durchzuführen. Klassisches
               Bei-<lb/>spiel für ein solches Vorgehen ist das Wurzelziehen, welches durch
               Poten-<lb/>zieren von Zwischenergebnissen erreicht wird. Entsprechendes gilt für
                  das<lb/>Logarithmieren.<note place="foot" xml:id="ftn19" n="19"> Genaugenommen
                  tritt der Wechsel in den Komplementärbereich schon bei der Division<lb/>(von
                  Termen) auf. </note> Leibniz übertrug dieses Verfahren auf das Integrieren<lb/>und
               auf das Lösen von Differentialgleichungen durch Lösungsansatze. Nur<lb/>am Rande sei
               erwähnt, daß insbesondere die Anwendung mathematischer<lb/>Methoden (z. B. der
               Infinitesimalrechnung) auf physikalische Probleme im-</p>
         <pb n="252" facs="UNITA/UNITA_252.jpg"/>
            <p>plizit eine Analogie der Struktur physikalischer Gesetze zur mathemati-<lb/>schen
               Struktur voraussetzt.</p>
         <p><hi rend="italic">Die Einheit von Logik und Erfindungskunst beim mathematischen Erkennt-<lb/>
            nisfortschritt</hi></p>
            <p>Wie oben dargelegt, fällt der Logik nach Leibniz nicht nur die Aufgabe<lb/>des
               Urteilens und Schließens auf der Grundlage vorgangiger Urteile und<lb/>Schlüsse zu,
               sondern auch die Verpflichtung, neue Entdeckungen zu ma-<lb/>chen. Für das Gebiet der
               Mathematik bedeutet dies, daß die Logik nicht<lb/>nur bereits bekannte oder vermutete
               Sätze beweisen oder widerlegen soli,<lb/>sondern sich aktiv an der Aufstellung neuer
               Satze und Theorien beteiligen<lb/>muß. Dies soli vor allem durch die Erfindung
               aussagekräftiger Symbole<lb/>oder Charaktere für die betreffenden mathematischen
               Gegenstände, durch<lb/>die Bereitstellung optimaler Verknüpfungen und Kalküle für
               solche<lb/>Charaktere sowie durch die Kombination bereits bekannter
               Teilerken-<lb/>ntnisse zu neuen Erkenntnissen geschehen. Leibniz bezeichnete diese
               Tätig-<lb/>keit der logischen Vernunft als ‘ars’ und brachte damit deutlich zum
               Aus-<lb/>druck, daß es sich dabei nicht um ein zwangsläufig erfolgreiches
               Vorgehen<lb/>handeln kann. Beispiele für gelungene Fortschritte sind, neben dem
               be-<lb/>rühmten Differentialkalkül und seinen Anwendungen in Geometrie
               und<lb/>Physik, die durch geschickte Indizierung erreichte Lösung linearer
               Glei-<lb/>chungssysteme mittels Determinanten und die Anfänge einer
               entalgebrai-<lb/>sierten Inzidenzgeometrie der Lage. Ebenso unübersehbar ist aber
               auch die<lb/>Begrenztheit der Erfolge dieser Einheit von deduktiver und induktiver
               Ver-<lb/>nunft. Bei den Diophantischen Gleichungen, bei vielen speziellen
               Kurven<lb/>oder in der numerischen Reihenlehre - um nur drei Beispiele zu nennen
               -<lb/>gelang es Leibniz nicht, allgemeine und allgemeingültige Lösungswege
               auf-<lb/>zuzeigen. Die Vielfältigkeit und Disparatheit dieser mathematischen
               Gegen-<lb/>stände war zu groß, die notwendigen neuen Gesichtspunkte und
               Betra-<lb/>chtungsweisen lagen zu weit von den bisherigen Vorgehensweisen
               entfernt,<lb/>als daß die methodologische Einheit von ‘ars judicandi’ und ‘ars
               inveniendi’<lb/>allein ausgereicht hätte, um zum Ziel zu kommen. Hier waren
               grundlegend<lb/>neue mathematische Theorien erforderlich, nicht geschickte
               Kombination<lb/>und Fortschreibung von Bekanntem. Abschließend ist somit
               festzustellen,<lb/>daß trotz aller methodologischen Einheitlichkeit der
               mathematischen Er-<lb/>kenntnisgewinnung die charakteristische Vielheit möglicher
               mathematischer<lb/>Gegenstände und Strukturen nicht ausreichend erfaßt wird. Eine
               ‘reductio<lb/>ad calculum’ ist nicht einmal innerhalb der Mathematik
               uneingeschränkt<lb/>und rein rational durchführbar, viel weniger noch ist dies in den
               angewand-</p>
         <pb n="253" facs="UNITA/UNITA_253.jpg"/>
            <p>ten Naturwissenschaften möglich. Eine optimale Kompensation der
               Unzu-<lb/>länglichkeiten menschlicher Erkenntniskraft war auf dem von Leibniz
               vor-<lb/>geschlagenen Weg nicht erreichbar.</p>
         <p><hi rend="italic">Kategoriales Denken und Relativität</hi></p>
            <p>“Harmonia autem est unitas in multitudine...”, sagt Leibniz in
                  einer<lb/>Aufzeichnung<note place="foot" xml:id="ftn20" n="20"> Randnoten von G.
                  W. Leibniz zum Brief A. Eckhard an Leibniz, Ende Mai/Anfang Juni<lb/>1677 (GP I,
                  232). </note> von 1677, und einige Jahre später erläutert er:<note place="foot"
                  xml:id="ftn21" n="21"> GP VII, 87. </note> “Nun die<lb/>einigkeit in der vielheit
               ist nichts anders als die übereinstimmung, und weil<lb/>eines zu diesem naher stimmet
               als zu jenem, so fliesset daraus die ordnung,<lb/>von welcher alle schöhnheit <hi
                  rend="sp">hehrkom...”.Die</hi> Einheit in der Vielheit ist<lb/>also eine
               akzidentelle Einheit, die sich von der substantiellen Einheit der<lb/>Monaden
               grundlegend unterscheidet. Sie ist eine Ordnung der Dinge oder<lb/>der Gedanken, die
               nicht notwendig, nicht einzigartig und nicht ewig ist<lb/>und doch vom Menschen als
               hilfreich und angenehm angesehen wird.<note place="foot" xml:id="ftn22" n="22"> “Je
                  demeure d’accord, qu’il y a des degrés de l’unité accidentelle, qu’une societé
                  reglée a<lb/>plus d’unité qu’une cohue confuse et qu’un corps organisé ou bien une
                  machine a plus d’unité<lb/>qu’une societé, c’est à dire il est plus à propos de
                  les concevoir comme une seule chose, parcequ'il<lb/>y a plus de rapports entre les
                  ingrediens; mais enfin toutes ces unités ne reçoivent leur accomplis-<lb/>sement
                  que des pensées et apparences, comme les couleurs et les autres phenomenes, qu’on
                  ne<lb/>laisse pas d’appeller reels” (Leibniz an Arnauld, 10. Mai 1687; GP II,
                  100). </note> Sie<lb/>wird konstituiert durch den Vergleich von Objekten mittels
               der Sinne und<lb/>des Verstandes und ist daher auf der Ebene der Vergleichsobjekte
               immer<lb/>relational. Auf der Metaebene aber ist sie relativ, denn jede spezielle
               Or-<lb/>dnungsstruktur ist wieder eine Einheit in bezug auf die Vielheit
               möglicher<lb/>struktureller Gliederungen ähnlich wie jede Monade Teil eines
               Aggregats<lb/>von Monaden mit einer Zentralmonade sein kann.<note place="foot"
                  xml:id="ftn23" n="23"> “... chaque substance simple ou Monade distinguée, qui fait
                  le centre d’une substance<lb/>composée (comme par exemple, d’un animal) et le
                  principe de son Unicité, est environnée d’une<lb/>Masse composée par une infinité
                  d’autres Monades, qui constituent le corps propre de cette Mo-<lb/>nade centrale,
                  suivant les affections duquel elle represente, comme dans une maniere de
                  centre,<lb/>les choses qui sont hors d’elle” (GP VI, 598 f.). </note> Für Leibniz
               waren sol-<lb/>che Einheiten allerdings zugleich metaphysische und damit
               ontologische<lb/>Einheiten, für uns Heutige sind sie zumindest methodische
               Hilfmittel, die<lb/>aus den klassischen korrelativen Denkkategorien Einheit und
               Vielheit<lb/>fließen. Als Regulative sind sie grundsätzlich von nur relativer
               Bedeutung,<lb/>d. h. was als Einheit und was als Vielheit anzusehen ist, bestimmt
               sich rela-<lb/>tiv zur Reflexionsebene bzw. zu den Bezugsgrößen. Dies sei an einem
               Teil-<lb/>gebiet der Mathematik verdeutlicht. Die Gesamtheit aller Zahlen besteht</p>
         <pb n="254" facs="UNITA/UNITA_254.jpg"/>
            <p>aus ineinander geschachtelten Teilbereichen, die jeweils als Einheit
               oder<lb/>Äquivalenzklasse angesehen werden können: das Einselement, die
               natürli-<lb/>chen Zahlen, die rationalen Zahlen, die algebraischen Zahlen usw.
               Entspre-<lb/>chend kann die Gesamtheit aller Zahlen als Vielheit, bestehend aus den
               ge-<lb/>nannten Einheiten und ihren durch die Forderung nach
               uneingeschränkter<lb/>Ausführbarkeit mathematischer Verknüpfungen bedingten
               Erweiterungen,<lb/>betrachtet werden.</p>
            <p>Die Korrelata Einheit und Vielheit und die Relativität der daraus
               resul-<lb/>tierenden Einteilungen sind für die menschliche Denk- und
               Anschauungs-<lb/>weise keinesfalls untypisch oder singulär. Vergleichbare methodische
               Hilfs-<lb/>mittel bilden auch die Korrelata Ursache und Wirkung oder
               Notwendig-<lb/>keit und Zufälligkeit. Für Leibniz jedoch waren alle diese
               Denkkategorien<lb/>nicht unabhängig von Seinskategorien; die durch die Denkkategorien
               cha-<lb/>rakterisierten Gliederungen beschrieben zugleich eine ontologische
               Stru-<lb/>ktur, deren absolute Grenzbegriffe die Monade einerseits und die von
               Gott<lb/>geschaffene Welt andererseits waren.</p>
            <p>BIBLIOGRAPHIE</p>
            <p> Echeverría, J., <hi rend="italic">Characteristica geometrica.</hi> Paris 1979
               [Masch.]. Teile daraus mit franz.<lb/>Übersetzung in: G. W. Leibniz, <hi
                  rend="italic">la caractéristique géométrique</hi> , hrsg. von J. Echever-<lb/>ría
               u. M. Parmentier. Paris 1995. </p>
            <p>
               Heß, H.-J.,  <hi rend="italic"> Maturing in retirement. The unknown period of
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            <p> Leibniz, G. W., <hi rend="italic">De vita beata</hi> , Frühj.-Herbst 1676 (A VI.3,
               633-673). </p>
            <p> Leibniz, G. W., <hi rend="italic">Characteristica verbalis</hi> , um 1680 (C,
               432-435). </p>
            <p>
               Leibniz, G. W.,  <hi rend="italic">De synthesi et analysi universali seu arte
                  inveniendi et judicandi</hi>,1680-<lb/>1684 (GP VII, 292-298). </p>
            <p>
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            </p>
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                 conicarum </hi>, in: <hi rend="italic"> Acta erudito-<lb/>rum</hi>, April
                  1691, S. 178-182.
            </p>
            <p>
               Leibniz, G. W., <hi rend="italic">Supplementum geometriae practicae</hi>, in: <hi rend="italic"> Acta eruditorum</hi>, April 1693,
                  S.<lb/>178-180.
            </p>
         <pb n="255" facs="UNITA/UNITA_255.jpg"/>
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               , in: <hi rend="italic"> Acta eruditorum </hi>, Juli<lb/>1694, S.
                  311-316.
            </p>
            <p>
               Leibniz, G. W.,  <hi rend="italic">Considerations sur la différence qu’il y a à
                  observer entre l’analyse ordi-</hi><lb/><hi rend="italic">naire et le nouveau calcul des transcendantes </hi>, in:<hi rend="italic"> Journal des Scavans</hi>, 23 Aoust<lb/>1694,
                  S. 404-406.
            </p>
            <p> Leibniz, G. W.
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           um 1694 (GP VII, 86-90). </p>
            <p> Leibniz, G. W., <hi rend="italic">Nova algebrae promotio</hi>, um 1694 (GM VII,
               154-189). </p>
            <p> Leibniz, G. W., <hi rend="italic">Mathesis universalis</hi>, um 1694 (GM VII,
               49-76). </p>
            <p> Leibniz, G. W., <hi rend="italic">De rerum originatone radicali</hi>, 3. Dezember
               1697 (GP VII, 302-308). </p>
            <p>
               Leibniz, G. W.,  <hi rend="italic">Specimen novum analyseos pro scientia
                  infiniti, circa summas et quadra-<lb/>turas,</hi> in:  <hi rend="italic">Acta eruditorum</hi>, Mai 1702, S.
               210-219. </p>
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               Leibniz, G. W., <hi rend="italic"> Continuatio analyseos quadraturarum
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            </p>
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               von C. I. Gerhardt. Berlin<lb/>1899. Reprint Hildesheim 1962 u. ö. (GB). </p>
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