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            <title>DER BEGRIFF DER IDEE BEI LEIBNIZ</title>
            <author><name>Hans </name>
               <surname>Poser</surname>
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            <authority>ILIESI-CNR</authority>
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               <p>Biblioteca digitale Progetto Agora</p>
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               <title level="m">DER BEGRIFF DER IDEE BEI LEIBNIZ</title>
               <author>Hans Poser</author>
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               <publisher>Leo S. Olschki Editore</publisher>
               <editor></editor>
               <pubPlace>Roma</pubPlace>
               <idno type="isbn"/>
               <biblScope>  pp., (Collana Lessico Intellettuale Europeo, LII)</biblScope>
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            <docAuthor>Hans Poser</docAuthor>
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               <titlePart>DER BEGRIFF DER<hi rend="italic"> IDEE</hi> BEI LEIBNIZ</titlePart>
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         <epigraph><p>Le mauvais usage des idées donne<lb/>occasion a plusieurs erreurs.</p>
            <p>G. W. Leibniz, GP IV. 409</p></epigraph>
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         <p>1.<hi rend="italic"> Einleitung</hi><note xml:id="ftn1" place="foot" n="1">
               <p>Die Schriften Leibnizens werden nach folgenden Ausgaben zitiert:<lb/> AA =<hi rend="italic"> Sämtliche Schriften und Briefe</hi> hg. v.d. Preußischen (später: Deutschen) Akademie der Wis-<lb/>senschaften zu Berlin (jetzt: Akad. d. Wiss. d. DDR), Darmstadt (später: Leipzig; jetzt:<lb/>Berlin) 1923 ff.</p>
               <p>CO =<hi rend="italic"> Opuscules et fragments inédits</hi>, éd. <hi rend="sc">L. Couturat</hi>, Paris 1903.</p>
               <p>F. Réf. =<hi rend="italic"> Réfutations inédites de Spinoza par Leibniz</hi>, éd. <hi rend="sc"> A. Foucher de Careil</hi>, Paris 1854.</p>
               <p>FS =<hi rend="italic"> Fragmente zur Logik</hi>, hg. v. <hi rend="sc">F. Schmidt</hi>, Berlin (DDR) 1960.</p>
               <p>GM =<hi rend="italic"> Mathematische Schriften</hi>, hg. v. <hi rend="sc">C. I. Gerhardt</hi>, 7 Bde., Berlin 1849-63.</p>
               <p>GP =<hi rend="italic"> Die philosophischen Schriften</hi>, hg. v. <hi rend="sc">C. I. Gerhardt</hi>, 7 Bde., Berlin 1875-90.</p>
               <p>Grua =<hi rend="italic"> Textes inédits</hi>, éd. <hi rend="sc">G. Grua</hi>, 2 Bde., Paris 1948.</p>
               <p>Robinet = <hi rend="sc">A. Robinet</hi>,<hi rend="italic"> Malebranche et Leibniz. Relations personnelles</hi>, Paris 1955.</p>
               <p>VE =<hi rend="italic"> Vorausedition zu AA</hi>, Reihe VI, Fasc. 1 ff., Münster 1981 ff.</p>
         </note>. Die Begriffgeschichte weist für ἰδέα und die Derivate<hi rend="italic"> idea</hi>, <lb/><hi rend="italic">idée</hi>,<hi rend="italic"> Idee</hi> usf. ein facettenreiches Spektrum unterschiedlicher Bedeutungen auf<lb/>– von der ursprünglichen Bedeutung “Erscheinung”, “Bild” über die platoni-<lb/>sche Umdeutung, die das Verhältnis von Urbild und Abbild vertauscht, wei-<lb/>terführend über die aristotelische Kritik, über eine mittelalterliche Tradition<lb/>der schrittweisen Latinisierung, wobei das Reich der Ideen zum Werk des den-<lb/>kenden Gottes wird, bis hin zu der im Gegenzug zur platonischen Deutung im<lb/>18. Jahrhundert sich durchsetzenden subjektivistischen Auffassung, die den<lb/>heutigen Terminus Idee (oder seine englischen, französischen und italieni-<lb/>schen Entsprechungen) meist als Synonym für “Vorstellung” kennt und ihn<lb/>damit von einer Urbild-Abbild-Beziehung unabhängig macht.</p>
         <p>In dem Spannungsfeld dieser Entwicklungsgeschichte steht Leibniz, der<lb/>wie kein zweiter neuzeitlicher Denker Platons Ideenlehre bewußt aufnimmt,<lb/>aber mit der aristotelischen Substanzenlehre verbindet, der sich die cartesi-<lb/>sche Lehre der eingeborenen Ideen als eine Form platonischer Wiedererin-<lb/><pb n="224" facs="IDEA_224.jpg"/>nerung zu eigen macht und in der Auseinandersetzung zwischen Arnauld<lb/>und Malebranche der Auffassung des letzteren, wir sähen alle Dinge vermö-<lb/>ge der Ideen in Gott, beipflichtet und folgerichtig sowohl Descartes’ und<lb/>Spinozas Sprechweise von “falschen Ideen” ebenso zurückweist wie Lockes<lb/>sensualistische Deutung. So nimmt es nicht wunder, wenn Chomsky bei der<lb/>Suche nach linguistischen Universalien innerhalb der rationalistischen Tradi-<lb/>tion gerade in Leibniz einen Gewährsmann seiner Auffassung glaubt sehen<lb/>zu können.</p>
         <p>Ohne terminologisch als Zentralbegriff in Erscheinung zu treten, liegt<lb/>der Begriff<hi rend="italic"> idea</hi> oder<hi rend="italic"> idée</hi> fraglos im Zentrum der Leibnizschen Metaphy-<lb/>sik<note xml:id="ftn2" place="foot" n="2">Als Zentalbegriff der Leibnizschen Metaphysik hat <hi rend="sc">L. Ε. Loemker</hi>,<hi rend="italic"> Leibniz’ Doctrine of<lb/>Ideas</hi>, in <hi rend="sc">I. Leclerc</hi> (ed.),<hi rend="italic"> The Philosophy of Leibniz and the Modern World</hi>, Nashville 1973, S. 29-51,<lb/>den Ideenbegriff überzeugend analysiert. Er sagt von Leibniz’ Ideenlehre: «The doctrine is not<lb/>only the central unifying element in Leibniz’ thought; it is also one of the most fruitful, for it<lb/>relates a dynamic psychology and physics with a relational logic of possibility and with a tele-<lb/>ological metaphysics» (S. 49).</note>. Über 1000 Vorkommnisse weisen Finster et al. in ihrem Leibniz-<lb/>Lexikon, Teil II, allein für den französischen Plural<hi rend="italic"> idées</hi> nach<note xml:id="ftn3" place="foot" n="3"><hi rend="sc">R. Finster, G. Hunter, M. Miles, W. E. Seager</hi>,<hi rend="italic"> Leibniz Lexicon</hi>, T. 2, Hildesheim<lb/>1988.</note>. Wie so oft<lb/>bei Leibniz steht diese zentrale Verwendung in einem merkwürdigen Miß-<lb/>verhältnis zu einer systematischen Behandlung; diese findet sich vielmehr<lb/>über das ganze Werk verstreut, allerdings mit zwei Schwerpunkten: der<lb/>erste ist die Auseinandersetzung mit Descartes’ Gottesbeweis und der idea<lb/>entis perfectissimi, was Leibniz veranlaßt, auch auf Arnauld und Mersenne<lb/>einzugehen; hierzu ist an den Arnauld zugesandten<hi rend="italic"> Discours de Métaphysique</hi><lb/>und an die 1684 in den Acta Eruditorum veröffentlichten<hi rend="italic"> Meditationes de<lb/>Cognitione, Veritate et Ideis</hi> zu denken, auf die Leibniz später auch im Hinblick<lb/>auf den Begriff der Idee immer wieder hinweist. In diesen Zusammenhang<lb/>gehören auch Leibniz’ Notizen zur Querelle des Vraies et des Fausses Idées<lb/>zwischen Malebranche und Arnauld. – Den zweiten umfangreichen Kom-<lb/>plex stellen die Aussagen zu Lockes Kritik der cartesischen eingeborenen<lb/>Ideen und zu Lockes eigenem Ideenbegriff dar; hier wäre außer den<hi rend="italic"> Nou-<lb/>veaux Essais</hi> und den kleinen Schriften in deren Umkreis vor allem der<lb/>Briefwechsel mit Burnett zu nennen<note xml:id="ftn4" place="foot" n="4">Auf die Verwendung des Begriffs idea beim jungen Leibniz wird hier nicht eingegan-<lb/>gen. Vgl. hierzu <hi rend="sc">L. E. Loemker</hi>, [Anm. 2], S. 31 ff.</note>.</p>
         <p>Weder dem einen noch dem anderen Schwerpunkt ist eine kleine, 2<lb/>Seiten umfassende Schrift zuzuordnen, die den Titel trägt<hi rend="italic"> Quid sit Idea</hi>. Ger-<lb/>hardt, der das Stück erstmals veröffentlichte, vermutet, sie sei aus Leibni-<lb/><pb n="225" facs="IDEA_225.jpg"/>zens Beschäftigung mit Spinoza hervorgegangen, weil sich in seinen Anmer-<lb/>kungen zu Def. IV von<hi rend="italic"> Ethica II</hi> die Aufforderung findet: «explicandum<lb/>ergo erat, quid sit vera idea» (GP VII.251 f). Dagegen datiert Schmidt die<lb/>Schrift um 1700; er sieht in ihr die Fixierung des Leibnizschen erkenntnis-<lb/>theoretischen Standpunktes gegenüber Lockes<hi rend="italic"> Essay</hi>, also in Vorbereitung<lb/>der<hi rend="italic"> Nouveaux Essais</hi> (FS 519 f). Wenngleich das Wasserzeichen des Papiers<lb/>für 1677 belegt ist, nennt die Vorausedition der Akademieausgabe als «vor-<lb/>läufige Datierung» gar die Jahre 1678 bis 1716. Dies liegt sicher nicht dar-<lb/>an, daß die Schrift besonders wenig aussagt; die Spannweite beweist viel-<lb/>mehr, welche Kontinuität die Entwicklung des Leibnizschen Denkens von<lb/>der Pariser Zeit bis in die späten Jahre hinsichtlich des Ideenbegriffes kenn-<lb/>zeichnet. Von diesem Text, der so zentral nicht nur für unser Thema, son-<lb/>dern für das Verständnis der Leibnizschen Philosophie überhaupt ist, möch-<lb/>te ich ausgehen.</p>
         <p>2.<hi rend="italic"> Quid sit Idea</hi>. Unter einer idea, so betont Leibniz, verstehe er etwas,<lb/>«quod in mente nostra est» (VE 3, Nr. 120, S. 453; GP VII.263), um<lb/>gleich zu sagen, was er nicht damit meint, nämlich<hi rend="italic"> vestigia impressa cerebro</hi>,<lb/> weil für ihn die<hi rend="italic"> mens</hi> etwas anderes als das<hi rend="italic"> cerebrum</hi> oder dessen subtile Teile<lb/>ist (I.e.). In der<hi rend="italic"> mens</hi> haben wir darüber hinaus vieles, was nicht ohne Ideen<lb/>zustande kommen kann, aber selbst keine<hi rend="italic"> idea</hi> ist, nämlich beispielsweise<lb/><hi rend="italic">cogitationes</hi>, <hi rend="italic">perceptiones</hi> und<hi rend="italic"> affectus</hi>. Das faßt Leibniz zusammen und unter-<lb/>streicht: «Idea enim nobis non in quodam cogitandi actu, sed facultate con-<lb/>sistit»: wir haben die idea einer res auch dann, wenn wir gerade nicht an<lb/>die Sache denken.</p>
         <p>Diese Einleitung klingt so, als meine Leibniz mit idea eine Art geistige<lb/>Disposition<note xml:id="ftn5" place="foot" n="5"><hi rend="sc">McRae</hi> sieht bei Descartes drei Begriffe von Idee angelegt, die in der Folgezeit aufge-<lb/>nommen würden, nämlich als Objekt durch Malebranche, Locke und Berkeley, als Tätigkeit<lb/>durch Spinoza und Arnauld und schließlich als eine Disposition durch Leibniz (<hi rend="italic">“Idea” as a philo-<lb/>sophical term in the seventeenth century</hi>, «Journal of the History of Ideas», 26 (1965), S. 175-190,<lb/>§ 175 u. 186 f.). Dies ist sicher für Leibniz unangemessen. Wenn idea in der Durchführung als<lb/>«disposition or potentially to act» gesehen wird (S. 187), so liegt dies Vormögen auf der Seite<lb/>des Denkens, nicht auf der der Ideen. Ebenso gilt nicht allgemein, daß, wenn idea als Objekt<lb/>definiert werde, es sich um «expression» handele (l.c.); denn Ideen treten für Leibniz sowohl<lb/>als Urbild (in Gott) als auch als Abbild (als eingeborene Ideen in der Monade) auf. Allerdings<lb/>verwendet Leibniz selbst den Ausdruck «disposition» – aber in einem klärenden Kontext: Die<lb/>virtuelle Kenntnis der eingeborenen Ideen sei nicht mit bloßer Erkenntnisfähigkeit gleichzuset-<lb/>zen. «Ce n’est pas donc une faculté nue... c’est une disposition, une aptitude, une preforma-<lb/>tion» (NE I.1 § 11; GP V.77).</note>; aber eine solche Sicht wäre viel zu psychologistisch, Leibniz<lb/>wehrt sie denn auch sofort ab: die Idee ist nicht selbst die freie Tätigkeit<lb/><pb n="226" facs="IDEA_226.jpg"/>des Geistes, wenngleich sie eine Fähigkeit des Geistes voraussetzt, der Idee<lb/>nahezukommen: «ideam ergo postulat propinquam quandam cogitandi de re<lb/>facultatem sive facilitatem» (l.c.). So betont er in den Anmerkungen zu Spi-<lb/>nozas<hi rend="italic"> Ethica</hi>: «Mens agit. Ideae non agunt» (GP 1.150; vgl. F. Réf. 44; vgl.<lb/>an de Volder, 23. Juni 1699: «Idea est aliquid ut sic dicam mortuum et in<lb/>se immutabile, ut figura, anima vero aliquid vivum et actuosum», GP<lb/>11.184). Der dynamische, aktive Teil der<hi rend="italic"> mens</hi> eignet den Ideen also gerade<lb/>nicht: sie sind vielmehr statisch!<note xml:id="ftn6" place="foot" n="6">Deshalb gilt die Deutung Loemkers, Ideen hätten «a tendency towards existence» (l.c.,<lb/>[Anm. 2], S. 33), nur für den jungen Leibniz; vielmehr muß man die Leibnizsche Sprechweise<lb/>vom Drängen der Möglichkeiten nach Existenz als eine bildhafte Sprechweise verstehen: Gott<lb/>drängt sich die beste der möglichen Welten als Kandidat für die Schöpfung auf – aber im<lb/>Sinne einer Dynamik des göttlichen Denkens!</note> Aus diesem Wechselverhältnis von Statik<lb/>der Ideen und Dynamik der erkenntnisstrebenden mens erwächst die Frage,<lb/>wie sich<hi rend="italic"> cogitatio</hi> und<hi rend="italic"> idea</hi> zueinander verhalten: Sie gilt es weiter zu entfal-<lb/>ten.</p>
         <p>Leibniz schließt die kleine Schrift mit der Feststellung daß die<hi rend="italic"> idea<lb/></hi>einer<hi rend="italic"> res</hi> in uns zu haben nichts anderes heiße, als daß Gott (als Urheber<lb/>sowohl der<hi rend="italic"> res</hi> als auch der<hi rend="italic"> mens</hi>) der mens eine Fähigkeit des Denkens ein-<lb/>geprägt habe, vermöge der Operationen des Geistes das herzuleiten, was<lb/>vollkommen dem entspricht, was aus den Dingen fließt (VE 454). So wird<lb/>eine von Leibniz der Schrift ursprünglich vorangestellte, später getilgte For-<lb/>mulierung verständlich: «<hi rend="italic">Ideam</hi> voco aliquid in nobis, quod alterius rei natu-<lb/>ram exprimit.» (VE 453, Var. zu Z. 12). Diese Formulierung macht deut-<lb/>lich, daß Leibniz zwischen dem Ding und der ihm zugeordneten Idee unter-<lb/>scheidet, wobei zwischen beiden ein Repräsentationsverhältnis besteht<note xml:id="ftn7" place="foot" n="7">Zum Zusammenhang zwischen<hi rend="italic"> idea</hi> und ihrem Ausdruck durch Begriffe und Zeichen<lb/>vgl. <hi rend="sc">M. Mugnai</hi>,<hi rend="italic"> Idee, espressioni delle idee, pensieri e caratteri in Leibniz</hi>, «Rivista di Filosofia», 64<lb/>(1973), 3, S. 219-231, sowie <hi rend="sc">H. Poser</hi>,<hi rend="italic"> Signum, notio und idea. Elemente der Leibnizschen Zeichentheorie</hi>,<lb/>«Zeitschrift für Semiotik», 1 (1979), S. 309-324.</note>.<lb/>Genau diesem Verhältnis ist der mittlere Abschnitt des Leibnizschen Textes<lb/>gewidmet, denn nicht jede Zeichenverbindung oder Begriffsverknüpfung<lb/>führt auf eine Idee.</p>
         <p>3. Idea vera<hi rend="italic"> und</hi> Idea falsa. Leibniz wendet sich mit der zuletzt erwähnten<lb/>Auffassung gegen Descartes, der jeden Inhalt des Geistes, dessen wir uns<lb/>bewußt sind, als<hi rend="italic"> idea</hi> bezeichnet hatte (Descartes an Mersenne, 1. Juli 1641<lb/>Corresp. AT III.392). Dem hält er entgegen, daß wir im Denken unwissent-<lb/>lich oft Unverträgliches miteinander verbinden, etwa, wenn wir den Ausdruck<lb/><pb n="227" facs="IDEA_227.jpg"/>“schnellste Bewegung” bilden; darum ist es keineswegs zulässig, ohne weiteres<lb/>von der “Idee des vollkommensten Wesens” zu sprechen (<hi rend="italic">Animadversiones in<lb/>partem generalem Principiorum Cartesianorum</hi>, ad I. 18; GP IV.359 f). Vielmehr<lb/>wird ein Beweis nötig, der zeigt, daß der betreffende Begriff möglich, und das<lb/>heißt widerspruchsfrei ist; dann erst, so muß man ergänzen, kann man von<lb/>der Idee sprechen und auf das<hi rend="italic"> ens perfectissimum</hi> als sie verursachend zurück-<lb/>schließen. Dieser Zwischenschritt ist für Leibniz’ Verständnis von<hi rend="italic"> idea</hi> wichtig,<lb/>denn «nullam utique habemus ideam rerum impossibilium» (<hi rend="italic">Meditationes de<lb/>Cognitione, Veritate et Ideis</hi>; GP IV.424=VE V.1078; vgl. auch Leibniz an<lb/>Arnauld, 4./14. Juli 1686; Robinet 230 f: «Je tiens que la marque d’une idee<lb/>véritable est qu’on en puisse prouver la possibilité…»).</p>
         <p>Nun müßte man hier ergänzen, daß eine<hi rend="italic"> idea vera</hi> gemeint ist, denn im<lb/>Folgeabsatz der<hi rend="italic"> Meditationes</hi> bedient sich Leibniz dieser Sprechweise Spinozas<lb/>(<hi rend="italic">Ethica</hi> I, Ax. 6) und unterscheidet<hi rend="italic"> idea vera</hi> und<hi rend="italic"> idea falsa</hi>: erstere liegt vor,<lb/>wenn die<hi rend="italic"> notio</hi> möglich ist, zweitere, wenn sie einen Widerspruch einschließt.<lb/>(Noch in den<hi rend="italic"> Nouveaux Essais</hi> nimmt Leibniz, dort aber Locke folgend, diese<lb/>Unterscheidung auf: «Les Idées possibles sont<hi rend="italic"> vrayes</hi> et les Idées impossibles<lb/>sont<hi rend="italic"> fausses</hi>», NE II.32 § 5; GP V.250). In den Bemerkungen zu Spinoza<lb/>heißt es aber: «Omnis enim idea cum suo ideato convenit, nec video quid sit<lb/>idea falsa» (<hi rend="italic">Ad Ethicam</hi> I, GP I.140); und auch an der entsprechenden Stelle<lb/>der Argumentation im<hi rend="italic"> Discours de Métaphysique</hi> fährt Leibniz fort, man dürfe<lb/>sich erst dann rühmen, die Idee einer<hi rend="italic"> res</hi> zu haben, wenn man ihrer Möglich-<lb/>keit qua Widerspruchsfreiheit sicher sei (§ 23; GP IV.449). Wichtig ist dar-<lb/>über hinaus festzuhalten, daß eine<hi rend="italic"> idea</hi> als “vera” zu bezeichnen<hi rend="italic"> keine</hi> Zu-<lb/>schreibung eines Wahrheitswertes bedeutet, sondern eine übertragene Sprech-<lb/>weise ist: «II est vray que j’ay attribuée aussi la vérité aux idées en disant que<lb/>les idées sont vrayes ou fausses; mais alors je l’entends en effet de la vérité<lb/>des propositions, qui affirment la possibilité de 1’objet de l’Idée.» (NE IV. 5 §<lb/>11; GP V.378).</p>
         <p>Damit ist zweierlei gewonnen: Zum einen ist hinfort der Begriff<hi rend="italic"> idea</hi> als<lb/><hi rend="italic">idea vera</hi> im übertragenen Sinne von<hi rend="italic"> vera</hi> zu verstehen, zum zweiten wurde<lb/>deutlich, daß der so verstandene Begriff unmittelbar in Leibnizens Modaltheo-<lb/>rie eingebettet ist. Die Bedeutung dieses Zusammenhangs wird deutlich, wenn<lb/>man die Doppelheit der Leibnizschen Bestimmung der<hi rend="italic"> idea vera</hi> betrachtet,<lb/>denn einmal verlangt er, daß die<hi rend="italic"> notio</hi> der betreffenden<hi rend="italic"> res</hi> widerspruchsfrei sei,<lb/>im zweiten Falle, daß die Möglichkeit der<hi rend="italic"> res</hi> gewährleistet sei: Beide Bestim-<lb/>mungen, die begrifflich-logische und die ontologische, sind aber für Leibniz<lb/>äquivalent, ja, Leibniz’ Modaltheorie baut darauf auf, daß, was logisch mög-<lb/>lich, auch ontologisch möglich ist: Dies ist zugleich die entscheidende Ver-<lb/>mittlung von<hi rend="italic"> res</hi> und<hi rend="italic"> idea</hi>. Betrachten wir hierzu das Verhältnis von<hi rend="italic"> idea</hi> und<lb/><hi rend="italic">notio</hi>.</p>
         <pb n="228" facs="IDEA_228.jpg"/><p>4. Idea, notio<hi rend="italic"> und die</hi> regio idearum. Um Verwechselungen zu vermeiden,<lb/>schlägt Leibniz vor, terminologisch zwischen<hi rend="italic"> idea</hi> einerseits,<hi rend="italic"> notio</hi> und<hi rend="italic"> conceptus<lb/></hi>andererseits zu unterscheiden: «Ces expressions qui sont dans nostre ame, soit<lb/>qu’on les conçoive ou non, peuvent estre appellées<hi rend="italic"> idées</hi>, mais celles qu’on con-<lb/>çoit ou forme, se peuvent dire<hi rend="italic"> notions</hi>,<hi rend="italic"> conceptus</hi>»(<hi rend="italic">Disc. Met.</hi> § 27; GP IV.452).<lb/>Damit wird verständlich, daß Leibniz<hi rend="italic"> definitiones</hi> (nämlich Realdefinitionen) als<lb/>«idearum expressiones» bezeichnet (GP I.205)<note xml:id="ftn8" place="foot" n="8">Vgl. <hi rend="sc">E. Cassirer</hi>,<hi rend="italic"> Leibniz’ System in seinen wissenschaftlichen Grundlagen</hi>, Marburg 1902,<lb/>S. 119, der hierauf seine Darstellung der Leibnizschen Ideenlehre gründet.</note>. Tatsächlich hält er diese<lb/>Unterscheidung selbst oft genug nicht durch; so gebraucht er<hi rend="italic"> conceptus</hi>,<hi rend="italic"> notio<lb/></hi>und<hi rend="italic"> idea</hi> vielfach synonym oder identifiziert<hi rend="italic"> idea</hi> und<hi rend="italic"> definitio</hi>. Auch spricht er<lb/>an Stellen, bei denen es sich um etwas handelt, das dem menschlichen Den-<lb/>ken gerade nicht mehr erreichbar ist und entsprechend der eben herangezoge-<lb/>nen Bemerkung als Idee bezeichnet werden sollte, von<hi rend="italic"> notio</hi> oder<hi rend="italic"> conceptus</hi>. Dies<lb/>gilt etwa dort, wo er vom vollständigen Begriff einer individuellen Substanz<lb/>als einer<hi rend="italic"> notio completa</hi> handelt (z. B. CO 520) während sich der Begriff «idée<lb/>complete» nur beiläufig findet (GP V.247) und überdies als Lockescher Ter-<lb/>minus nicht übernommen wird; dasselbe ist zu beobachten, wo Leibniz die<lb/>Atome allen Denkens, die<hi rend="italic"> prima possibilia</hi>, als<hi rend="italic"> notiones irresolubiles</hi> oder<hi rend="italic"> conceptus<lb/>primitivi</hi> bezeichnet (z. B. CO 513), während die Bezeichnung<hi rend="italic"> idée primitive</hi> kaum<lb/>vorkommt (z. B. GP V.15 u. V.21). Dies liegt daran, daß diese beiden Grenz-<lb/>fälle begrifflicher Synthesen bzw. Analysen trotz ihrer ausgezeichneten Stel-<lb/>lung ja nicht den Charakter des Begrifflichen verlieren und deshalb nur konse-<lb/>quent als<hi rend="italic"> notiones</hi> bezeichnet werden. Daß sie von Leibniz dennoch zugleich als<lb/>ideae gesehen werden wird spätestens dann deutlich, wenn er die Gesamtheit<lb/>aller widerspruchsfreien Begriffe von den absolut einfachen bis zu den voll-<lb/>ständigen Begriffen und damit den Bereich der möglichen Welten insgesamt<lb/>als<hi rend="italic"> regio idearum</hi> bezeichnet (<hi rend="italic">Ad Ethicam</hi> I, prop. 5; GP 1.142: regio idearum vel<lb/>essentiarum possibilium; vgl. GP VII.211 u. 214); das aber heißt: in Gott (in<lb/>regione idearum, nempe in ipso Deo, GP VII.305; Deus, qui est radix possibi-<lb/>litatis, ejus enim mens est ipsa regio idearum, GP VII.311).</p>
         <p>Mit der ontologischen Lokalisierung der Ideen in der<hi rend="italic"> regio idearum</hi> des gött-<lb/>lichen Denkens als Gesamtheit des widerspruchsfrei Möglichen und damit auch<lb/>des für Gott Schaffbaren in Gestalt der möglichen Welten wird verständlich,<lb/>wieso Ideen nicht dynamisch sind: sie sind – auf der Ebene dieser Betrachtung<lb/>– all das, was, von den<hi rend="italic"> prima possibilia</hi> ausgehend, widerspruchsfrei möglich und<lb/>kompossibel ist. Jede solche Struktur ist eine Idee. Die<hi rend="italic"> res</hi>, die durch eine Idee<lb/>repräsentiert wird, ist gerade diese Struktur, verbunden mit dem Inhalt, den sie<lb/>vermöge der Inhalte der absolut einfachen Begriffe oder Ideen, der<hi rend="italic"> prima possibi-<lb/><pb n="229" facs="IDEA_229.jpg"/>lia</hi>, hat. Das aber bedeutet, daß in der<hi rend="italic"> regio idearum</hi> des göttlichen Denkens<hi rend="italic"> idea</hi><lb/>und<hi rend="italic"> res</hi> ununterscheidbar sind. In diesem Sinne kann Leibniz auch die Sprech-<lb/>weise Malebranches akzeptieren, wir sähen alle Dinge in Gott: «Je crois que<lb/>prenant les idées comme il [Malebranche] fait pour l’objet immédiat exterieur<lb/>de nos pensées, il peut dire, que nous les voyons en Dieu» (an de l’Hospital,<lb/>14./24. Juni 1695; GM 11.289). Leibniz betont aber immer, daß die Sprechweise<lb/>Malebranches als “facon de parler” verstanden werden müsse. So bemerkt er zu<lb/>Malebranches<hi rend="italic"> Réponse</hi> auf Fouchers<hi rend="italic"> Critique</hi> der<hi rend="italic"> Recherche de la Vérité</hi>: «L’idée peut<lb/>être prise de deux façons, sçavoir<hi rend="italic"> pour la qualité ou forme de la pensée</hi>, comme la<lb/>vélocité et la direction le sont du mouvement, ou bien<hi rend="italic"> pro obiecto immediato sive<lb/>proxima perceptionis</hi>, Et de cette maniéré l’idée ne seroit pas une facon d’estre de<lb/>nostre ame. Et cela est apparemment le sentiment de Plato ou de l’auteur de la<lb/>Recherche. Car quand l’ame pense a l’estre, a l’identité, a la pensée, a la dura-<lb/>tion, elle a un certain objet immédiat ou cause prochaine de la perception. Et de<lb/>cette manière, il se peut que nous voyons tout en Dieu, et que les idées ou<lb/>objects immédiés soyent les attributs de Dieu même. Ces formules ou facon de<lb/>parler ont quelque chose vray, mais pour parler juste, il faut donner des signifi-<lb/>cations constantes aux termes» (Robinet 73; vgl. 317). Hierbei versucht Leibniz,<lb/>zwischen Arnaulds Auffassung, nach der Ideen «des Notions, c’est a dire com-<lb/>me des modifications de notre ame» seien, und der Malebranches zu vermitteln,<lb/>denn: «Mais comme Dieu est la source des possibilités et par consequent des<lb/>idées, on peut excuser et même louer ce Pere [Malebranche] d’avoir changé de<lb/>termes et d’avoir donné aux idées une signification plus relevée en les distingu-<lb/>ant des Notions et en les prenant pour des perfections qui sont en Dieu, aux-<lb/>quelles nous participons par nos connaissances. Ce langage mystique du Pere<lb/>n’etoit donc point nécessaire, mais je trouve qu’il est utile, car il nous fait mieux<lb/>envisager notre dependance de Dieu» (an Remond, 4. November 1715; GP<lb/>III.659=Robinet 481).</p>
         <p>Damit treten Ideen für Leibniz einmal als Urbilder individueller Substanzen<lb/>im göttlichen Denken auf, darüber hinaus aber als Abbilder in den Substanzen<lb/>selbst, die als Monaden das Universum spiegeln: Aus dieser Doppelheit wird ver-<lb/>ständlich, wieso Ideen Objekte des Denkens sein können – nämlich im menschli-<lb/>chen Denken – und darüber hinaus in Gott geschaut werden – nämlich in der<lb/>Erkenntnis ihrer Gegründetheit in der<hi rend="italic"> regio idearum</hi> des göttlichen Denkens<note xml:id="ftn9" place="foot" n="9">Diese Doppelheit geht schon auf die Pariser Zeit zurück. In<hi rend="italic"> De origine rerum ex formis</hi><lb/>vom April 1676 definiert Leibniz: «<hi rend="italic">Idea</hi> est differentia cogitationum ratione obiecti», um festzu-<lb/>halten: «Ut figura jam est in Immenso, antequam designetur, ita idea sive differentia cogitatio-<lb/>num jam est in Intelligentia prima. Ut figura est in spatio; ita scilicet idea in mente nostra».<lb/>Und weiter: «Ideae sunt in mente nostra, differentiae scilicet cogitationum. Ideae sunt in Deo,<lb/>quatenus ex formarum omnium absolutarum sive perfectionum possibilium conjunctione in<lb/>eodem subjecto fit Ens perfectissimum; ex conjunctione autem formarum simplicium possibi<lb/>lium resultant modificationes, id est ideae, ut ex essentia proprietates». (AA VI.3.518 bzw. 521).</note>.<lb/><pb n="230" facs="IDEA_230.jpg"/>– So verstanden würde Leibniz’ Ideenbegriff mit dem Platonismus zusam-<lb/>menfallen<note xml:id="ftn10" place="foot" n="10">So betont G. Rodis-Lewis die Dominanz des Platonismus in Leibniz’ Auffassung (<hi rend="italic">L’ar-<lb/>rière-plan platonicien du débat sur les idées: de Descartes à Leibniz</hi>, in<hi rend="italic"> Permanence de la Philosophie. Mélanges<lb/>offerts à Joseph Moreau</hi>, Neuchatel 1977, S. 221-240; S. 234 f.). Dies kann aber nur im Hinblick auf<lb/>die Ideen gelten, nicht hinsichtlich deren Entfaltung und Erkenntnis in der dynamischen Sub-<lb/>stanz, die gerade als Entelechie gesehen wird: Unter Zugrundelegung dieser Sicht, die ja für die<lb/>Interpretation der Monadologie für Dillmann und Gueroult im Gegensatz zur logischen Deu-<lb/>tung von Couturat und Cassirer bis Gurwitsch leitend war, stellt Leibniz’ Metaphysik gerade die<lb/>Synthese von platonischer Ideenlehre und aristotelischem Entelechieverständnis dar.</note>.</p>
         <p>Dennoch bleibt bislang offen, wie sich eine so verstandene Idee auf die<lb/>Repräsentation der Ideen im menschlichen Denken auswirkt, denn selbst<lb/>wenn sie virtuell in ihm angelegt sind und insofern eine<hi rend="italic"> facultas</hi> darstellen,<lb/>muß doch der Bezug zum menschlichen Denken hergestellt werden. Eben dies<lb/>ist Kern der Thematik der Kontroverse zwischen Malebranche und Arnauld,<lb/>die schon erwähnte<hi rend="italic"> querelle des vraies et des fausses idées</hi><note xml:id="ftn11" place="foot" n="11">Vgl. hierzu <hi rend="sc">E. Loemker</hi>,<hi rend="italic"> A Note on the Origin and Problems of Leibniz’s Discours of 1686</hi>,<lb/>«Journal of the History of Ideas», 8 (1947), S. 459-66, sowie vor allem die Dokumente, die<lb/>A. Robinet zusammengestellt hat (<hi rend="sc">Robinet</hi> 133-242).</note>. Insbesondere die Aus-<lb/>einandersetzung mit Locke stellt für Leibniz die Herausforderung dar, seine<lb/>eigene Auffassung an Lockes Theorie zu messen. Wenden wir uns abschlie-<lb/>ßend dieser Kontroverse zu.</p>
         <p>5.<hi rend="italic"> Die Erkenntnis der Ideen</hi>. Wenngleich alle Substanzen in sich das Univer-<lb/>sum spiegeln und insofern virtuell auch die<hi rend="italic"> regio idearum</hi>, haben allein die<lb/>Geistmonaden das Vermögen, sich reflektierend dieser Inhalte bewußt zu wer-<lb/>den. Die Lehre von den eingeborenen Ideen, die Leibniz in den<hi rend="italic"> Nouveaux<lb/>Essais</hi> weitgehend unabhängig von seiner eigenen Substanzmetaphysik gegen<lb/>Locke verteidigt, soll im Kern die Möglichkeit der Reflexion und damit die<lb/>Möglichkeit der Erkenntnis begründen: So kommt ihr auf dem Weg von Des-<lb/>cartes zu Kant und dessen Aufweis apriorischer Bedingungen der Möglichkeit<lb/>der Erkenntnis einiges Gewicht zu, wenn “idées intellectuelles” als Ermögli-<lb/>chung der Vernunftwahrheiten gesehen werden (NE Pref.; GP V.45).</p>
         <p>Während Locke die Ideen als Objekte des Denkens bezeichnet (<hi rend="italic">Essay</hi> II.1<lb/>§ 1), entfaltet Leibniz als Gegenbild die folgende Auffassung: Wäre die Idee<lb/>die Form des Denkens – etwas, was Leibniz 1679 selbst noch gesagt hatte:<lb/>«<hi rend="italic">Idea</hi> est forma conceptus» (Grua II.512) –, würde sie mit diesem beginnen<lb/>und enden; vielmehr müssen die “Ideen, die sich ihrerseits auf die Dinge<lb/>beziehen”, als “innere Objekte” der Seele in dieser selbst enthalten sein: «Car<lb/><pb n="231" facs="IDEA_231.jpg"/>l’ame est un petit monde, ou les idées distinctes sont une représentation de<lb/>Dieu et ou les confuses sont une représentation de l’univers» (NE II.l § 1; GP<lb/>V.99). Diese Bemerkung Leibnizens nimmt zum einen Malebranches Unter-<lb/>scheidung von<hi rend="italic"> idée</hi> als Gegenstand des Denkens und<hi rend="italic"> perception</hi> als Vollzug auf<lb/>und verbindet sie zum zweiten mit der cartesischen Stufung der Erkenntnisse,<lb/>die Leibniz in den<hi rend="italic"> Meditationes de Cognitione, Veritate et Ideis</hi> präzisiert hatte. Doch<lb/>während er in den<hi rend="italic"> Meditationes</hi> im Zuge der Korrektur mehrfach den Begriff<lb/><hi rend="italic">idea</hi> durch den Begriff<hi rend="italic"> notio</hi> oder<hi rend="italic"> cognitio</hi> ersetzt hat (VE V.1075, anm. 25; 1076,<lb/>anm. 5 u. 18), kehrt Leibniz später wieder zu seiner ursprünglichen Formulie-<lb/>rung zurück und wendet die Stufung auf Ideen an. Das aber ist alles andere als<lb/>selbstverständlich, weil etwa eine idée confuse keinen Platz in der<hi rend="italic"> regio idearum<lb/></hi>des göttlichen Denkens scheint beanspruchen zu können.</p>
         <p>Die Schwierigkeit besteht also darin, daß Leibniz die Stufen der Erkennt-<lb/>nis, nämlich<hi rend="italic"> obscurum</hi>,<hi rend="italic"> clarum</hi>,<hi rend="italic"> distinctum</hi>,<hi rend="italic"> adaequatum</hi> und<hi rend="italic"> intuitivum</hi>, die er in den<lb/><hi rend="italic">Meditationes</hi> in der korrigierten Form auf<hi rend="italic"> notiones</hi> bezogen hatte nun aber in den<lb/><hi rend="italic">Nouveaux Essais</hi> auf idées bezieht (NE 11.29 § 2. GP V.236 f). Genau so geht er<lb/>in den kurzen Bemerkungen<hi rend="italic"> Sur l’Essay... de M. Locke</hi> (GP V.14 ff) vor, wo er<lb/>sich rühmt, mit den<hi rend="italic"> Meditationes</hi> «des degrées dans les idées» eingeführt zu<lb/>haben (17). Sicher, oft sagt er etwa «la connoissance expresse des idées» (NE<lb/>I.1 § 11; GP V.77), doch findet sich diese vorsichtige Sprechweise keineswegs<lb/>überall. Dies mag daran liegen, daß der Term “idée” sowohl im Englischen<lb/>als auch im Französischen Ende des 17. Jahrhunderts nicht mehr unbedingt<lb/>die fachtechnische Bedeutung von “idea” haben muß, sondern etwa dem<lb/>deutschen Begriff “Vorstellung” entspricht; bedeutsam ist auch, daß Leibniz<lb/>bereit ist, wie so oft in seinen Briefen, der Terminologie des Autors, den er<lb/>diskutiert, entgegenzukommen (er betont dies sogar ausdrücklich in den Ein-<lb/>gangsbemerkungen der<hi rend="italic"> Nouveaux Essais</hi>, NE I.1 § 1; GP V.47); in unserem<lb/>Falle könnte dies daran liegen, daß ihm ein anderer Kerngedanke hinsichtlich<lb/>der Ideen unvergleichlich bedeutsamer ist, die Verteidigung nämlich der Leh-<lb/>re von den eingeborenen Ideen. Angesichts jedoch der Häufigkeit der Vor-<lb/>kommnisse von Stellen, wo von verworrenen, klaren und distinkten “idées”<lb/>gesprochen wird, ist eine solche Erklärung zu schwach<note xml:id="ftn12" place="foot" n="12">M. D. Wilson geht in ihrem Aufsatz<hi rend="italic"> Confused Ideas</hi>, «Rice University Studies», 63 (1977)<lb/>4, S. 123-137 auf dieses Problem nicht ein, sondern verwendet “idea” durchgängig synonym mit<lb/>“notion”; ihr Gegenstand ist vielmehr das Verhältnis von verworrenen Perzeptionen und ver-<lb/>worrener Erkenntnis.</note>. Doch wenden wir<lb/>uns zunächst der für Leibniz in Zusammenhang mit Locke zentralen Proble-<lb/>matik der eingeborenen Ideen zu und kehren dann noch einmal zu unserer<lb/>Ausgangsfrage zurück.</p>
         <pb n="232" facs="IDEA_232.jpg"/><p>Gegenüber Lockes Auffassung, alle Ideen entsprängen aus<hi rend="italic"> sensation or reflec-<lb/>tion</hi> (Essay II.1 § 2), betont Leibniz, Ideen müßten verstanden werden als das<lb/>«objet immédiat interne d’une notion», ja, «rien ne l’empeche d’estre toujours<lb/>en nous, car ces objets peuvent subsister, lorsqu’on ne s’en apperçoit point»<lb/>(<hi rend="italic">Echantillon de Reflexions sur le I. Livre de l’Essay de l’Entendement de l’homme</hi>, GP<lb/>V.21). Eine Reflexion, meint Leibniz, sei nichts anders als die Aufmerksam-<lb/>keit auf das, was in uns ist; durch sie gewinnen wir Erkenntnisse, die unmög-<lb/>lich aus den Sinnen stammen, die uns folglich angeboren sein müssen (NE;<lb/>Préf.; GP V.45). Der Geist kann keine tabula rasa sein, wie Locke mit Aristo-<lb/>teles meint. Vielmehr komme es darauf an, die Inhalte des Geistes als etwas<lb/>Potentielles zu begreifen; insofern erweise sich die “Wiedererinnerungstheorie<lb/>der Platoniker” (l.c., S. 46) als angemessen<note xml:id="ftn13" place="foot" n="13">Allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: daß die Seele nicht schon deutlich<lb/>gewußt hat, “was sie jetzt lernt und denkt” (<hi rend="italic">Disc. Met.</hi> § 26; GP IV.452).</note>. Ganz deutlich wird Leibniz,<lb/>wenn er sagt: «L’idée de l’être, du possible, du Même, sont si bien innées,<lb/>qu’elles entrent dans toutes nos pensées et raisonnements, et je les regarde<lb/>comme des choses essentielles a nostre esprit» (NE I.3 § 3; GP V.93).<lb/>Bekanntlich gipfelt dies in Leibnizens Ergänzung zu Lockes<hi rend="italic"> Nihil est in intellectu<lb/>quod non fuerit in sensu</hi>, nämlich: «<hi rend="italic">excipe: nisi ipse intellectus</hi>» (NE II.1 § 2; GP<lb/>V.100).</p>
         <p>Nehmen wir dies zum Ausgangspunkt der Leibnizschen Theorie eingebo-<lb/>rener Ideen<note xml:id="ftn14" place="foot" n="14">Die Literatur zu Leibniz’ Locke-Kritik hinsichtlich der eingeborenen Ideen ist sehr<lb/>umfangreich. Oft wird allerdings nicht deutlich gemacht, daß eine Idee keine Wahrheit ist:<lb/>einer Idee korrespondiert ein Begriff, keine Aussage. Nun spricht Leibniz aber im Zusammen-<lb/>hang mit den eingeborenen Ideen von den “ersten Prinzipien” (NE I.1 § 5; GP V.73 f.), von<lb/>den ewigen Wahrheiten und insbesondere von Mathematik und Logik. Man sollte hier präziser<lb/>eingeborene Wahrheiten von eingeborenen Ideen unterscheiden. Für erstere, nicht für letztere<lb/>gilt, was F. Marschallek hervorhebt, daß mit “eingeboren” ein Sachverhalt bezeichnet ist, der<lb/>mit der Begründung notwendiger Wahrheiten zusammenhängt (<hi rend="italic">Eingeborene Ideen und Spracherwerb.<lb/>Neuzeitlicher Rationalismus als Wegbereiter der generativ-transformationellen Linguistik?</hi>, Phil. Diss. Univ.<lb/>Marburg 1977, S. 108). J. Harris hingegen markiert deutlich den Unterschied zwischen eingebo-<lb/>renen Ideen und eingeborenen Wahrheiten, behandelt aber vor allem letztere, um eine durch<lb/>Chomsky angeregte Lösung zwischen Locke und Leibniz vorzuschlagen, die auf die Annahme<lb/>eingeborener “Spracherwerbvorrichtungen” hinausläuft (<hi rend="italic">Leibniz und Locke zum Thema der angebore-<lb/>nen Ideen</hi>, «Ratio», 16 (1974), S. 210-226).</note>. Hier stellt sich die Frage, ob damit gemeint sei, allein die Ver-<lb/>nunftwahrheiten (und das hieße: die ihnen zugrunde liegenden Ideen) seien<lb/>im Verstand, nicht dagegen die Tatsachenwahrheiten und die mit ihnen<lb/>zusammenhängenden Ideen. Zunächst scheint es, als wolle Leibniz allein die-<lb/>jenigen Ideen als eingeboren ansehen, die nicht nur als eine Potenz in ihrer<lb/>Inhaltlichkeit Gegenstand der Reflexion sind; denn Reflexion ist, wie wir<lb/><pb n="233" facs="IDEA_233.jpg"/>sahen, Aufmerksamkeit auf das, was schon in uns liegt. Die Tatsache, daß wir<lb/>bestimmte Wahrheiten als notwendig zu erkennen vermögen, beweist, daß es<lb/>eingeborene Wahrheiten gibt – und damit die ihnen zugrunde liegenden<lb/>Ideen der Einheit, der Identität, der Ursache etc. Da diese nicht stets evident<lb/>oder bewußt sind, sondern erst in der Reflexion zur Distinktheit gebracht wer-<lb/>den, ist Lockes Einwand widerlegt, der sich darauf gründet, Kindern oder<lb/>Schwachsinnigen fehlten solche Ideen, die, wenn sie eingeboren sind, doch<lb/>allen gleichermaßen gegenwärtig sein müßten (vgl. NE I.3 § 4 u. § 18; GP<lb/>V.93 u. 96).</p>
         <p>Hinsichtlich der Ideen, deren Ursprung Locke in den<hi rend="italic"> sensations</hi> sieht, wäh-<lb/>rend Leibniz die äußeren sinnlichen Objekte als<hi rend="italic"> objets mediats</hi> verstanden wissen<lb/>will, verläuft Leibnizens Argumentation für ihr Eingeborensein in Ablehnung<lb/>der tabula-rasa-Auffassung folgendermaßen: Wäre keiner Seele etwas eingebo-<lb/>ren, wären sie alle gleich, also ununterscheidbar und das heißt für ihn: iden-<lb/>tisch dasselbe. Die Individuierung setzt also die innere Differenzierung der<lb/>Seelen voraus! Damit kann Leibniz auf seine Substanzmetaphysik verweisen,<lb/>die genau diesem Erfordernis Rechnung trägt (vgl. NE II.1 § 2; GP V.100):<lb/>Jede perzipierende Monade trägt immer schon ihre Vergangenheit und Zu-<lb/>kunft in sich, wobei Vernunftwahrheiten dank der eingeborenen Prinzipien<lb/>vom apperzipierenden Subjekt in sich selbsttätig gefunden werden, wärend<lb/>Tatsachenwahrheiten der Erfahrung bedürfen (oder in Leibniz’ Sprechweise<lb/>der Monadologie: auf einem Leiden beruhen – das zwar keine kausale Ein-<lb/>wirkung anderer Substanzen bedeutet, aber doch, daß die perzipierende Mona-<lb/>de in ihrem vollständigen Begriff an den Ideen der anderen Begriffe der ande-<lb/>ren Substanzen ausgerichtet ist). So sind uns<hi rend="italic"> alle</hi> Vorstellungen eingeboren, wie<lb/>die Hercules-Statue im entsprechend geäderten Marmorblock enthalten ist und<lb/>herausgearbeitet werden kann: «c’est ainsi que les Idées et les vérités nous<lb/>sont innées, comme des inclinations, des dispositions, des habitudes ou des<lb/>virtualités naturelles, et non pas comme des actions» (NE Préf.; GP V.45).<lb/>Eingeboren sein heißt damit nicht gewußt oder bewußt sein, sondern angelegt<lb/>sein<note xml:id="ftn15" place="foot" n="15">So faßt schon <hi rend="sc">Fr. Thilly</hi>,<hi rend="italic"> Leibnizens Streit gegen Locke in Ansehung der angeborenen Ideen</hi> (Phil.<lb/>Diss. Heidelberg 1891, S. 47) diesen Sachverhalt zusammen. – Sehr genau wird das Problem<lb/>eingeborener Ideen (und im Gegensatz zu eingeborenen Prinzipien) dargestellt von <hi rend="sc">R. McRae</hi>,<lb/><hi rend="italic">Leibniz. Perception, Apperception, and Thought</hi>, Toronto 1976, S. 77 ff. und 93-103.</note>. Und in diesem Sinne sind die äußeren sinnlichen Objekte nur mittel-<lb/>bar<note xml:id="ftn16" place="foot" n="16">Wenn Leibniz in den<hi rend="italic"> Nouveaux Essais</hi> auch von “idées sensibles” spricht, so bedient er<lb/>sich nur der Lockeschen Sprechweise; denn Ideen sind für ihn keine Perzeptionen. Vgl. <hi rend="sc">Loem-<lb/>ker</hi>, l.c. [Anm. 2], S. 40.</note>; das einzige unmittelbare äußere Objekt der Seele ist Gott, während die<lb/>Seele ihr unmittelbares<hi rend="italic"> inneres</hi> Objekt ist. Nochmals mit Leibniz: Die Seele ist<lb/><pb n="234" facs="IDEA_234.jpg"/>dies nur, «en tant qu’elle contient les idées, ou ce qui repond aux choses. Gar<lb/> l’ame est un petit monde, ou les idées distinctes sont une représentation de<lb/>Dieu et ou les confuses sont une representation de l’univers» (NE II.1 § 1;<lb/>GP V.99). Oder noch deutlicher: «nos idées, même celles des choses sensibles,<lb/>viennent de nostre propre fonds» (GP V.16).</p>
         <p>Hinsichtlich der Frage der Repräsentation, die Leibniz den Ideen in unse-<lb/>rem Denken zuschreibt, haben wir damit eine Bestätigung des vorhin Entwik-<lb/>kelten gefunden. Die<hi rend="italic"> regio idearum</hi> des göttlichen Denkens – und damit alle<lb/>möglichen Welten einschließlich der wirklichen – sind das äußere Objekt der<lb/>Seele, das in ihr virtuell – eben als eingeborene Idee – angelegt ist und im<lb/>Erkenntnisprozeß im Falle der Vernunftwahrheiten zu distinkter, im Falle der<lb/>Tatsachenwahrheiten zu klarer Erkenntnis gebracht werden kann.</p>
         <p>Immer noch aber bleibt die entscheidende Frage ungeklärt, warum Leib-<lb/>niz bei dieser Erkenntnis von Ideen spricht<note xml:id="ftn17" place="foot" n="17">McRaes Ansatz, der, wie erwähnt, Ideen als Dispositionen und Gedanken als Akte ver-<lb/>steht und beide mit “expression” identifiziert, geht noch einen Schritt weiter und sieht auch<lb/>den Unterschied zwischen Gedanke und Perzeption nur als graduellen Unterschied zwischen di-<lb/>stinkter und verworrener Expression (l.c. [s. Anm. 5], S. 187). Damit ist zwar eine Gemeinsam-<lb/>keit von Idee (als Objekt des menschlichen Denkens), Denken und Perzeption hergestellt, aber<lb/>unser Problem bleibt auch so ungelöst, weil der Grad der Perzeption selbst im vollständigen<lb/>Begriff der individuellen Substanz, also in der Idee angelegt sein muß.</note>. Folgt er nur der Terminologie<lb/>Lockes, oder steht dahinter unausgesprochen eine Auffassung, die auch mit<lb/>Leibnizens Metaphysik, mit der Monadenlehre verträglich ist? Dies scheint in<lb/>der Tat der Fall zu sein; denn wenn jede Monade (oder in der bisherigen<lb/>Sprechweise, jede Seele) die Gesamtheit der Ideen<hi rend="italic"> qua Possibilia</hi> distinkt aus-<lb/>drücken würde, wäre sie Gott. Die individuelle Monade ist in ihrer Individu-<lb/>alität aber allein durch ihren point de vue der Welt, d. h. durch den jeweiligen<lb/>Grad an Klarheit und Deutlichkeit gekennzeichnet, mit dem sie die virtuelle<lb/>regio idearum zu erfassen vermag. Der Grad der Erkenntnis, die Stufe der<lb/>Perzeption ist also nichts Arbiträres, Akzidentelles, sondern macht gerade die<lb/>Essenz der jeweiligen Monade aus. Selbst dann, wenn mit Malebranche<hi rend="italic"> idea</hi><lb/>und<hi rend="italic"> perceptio</hi> genau getrennt werden, muß doch zum Ausdruck kommen, daß<lb/>es für eine Monade konstitutiv ist, im Rahmen der Virtualität der Ideen in der<lb/>Seele in der Perzeption einen bestimmten Grad nicht überschreiten zu kön-<lb/>nen. Dazu aber muß die Virtualität<hi rend="italic"> in sich</hi> eine Struktur aufweisen – und<lb/>genau diese Struktur ist es, die Leibniz mit der Unterscheidung verworrener,<lb/>klarer, distinkter und intuitiver Ideen bezeichnet: Der Repräsentationsgedan-<lb/>ke, der schon in<hi rend="italic"> Quid sit Idea</hi> seinen Niederschlag fand, führt so zu einem Ver-<lb/>ständnis der Ideen als Objekte des Denkens, die gerade in der epistemischen<lb/>Stufung zum Konstituens des Individuums werden. So kann Leibniz für sich in<lb/><pb n="235" facs="IDEA_235.jpg"/>Anspruch nehmen, Platons Wiedererinnerungslehre aufzunehmen, ohne doch<lb/>dessen gesamte Ideenlehre zu übernehmen, Lockes erkenntnistheoretischen<lb/>Ideenbegriff auf seine Weise rekonstruiert zu haben – und zwar unter Ver-<lb/>wendung der cartesischen<hi rend="italic"> ideae innatae</hi> –, Spinozas Gottesbegriff rekonstruiert<lb/>zu haben, ohne eine<hi rend="italic"> idea ideae</hi> oder ein<hi rend="italic"> ideatum</hi> annehmen zu müssen und<lb/>schließlich Malebranches Unterscheidung von<hi rend="italic"> idea</hi> und<hi rend="italic"> perceptio</hi> ebenso gerecht<lb/>geworden zu sein wie dessen Auffassung, daß wir alle Ideen in Gott schauen.<lb/>So konvergiert in Leibnizens impliziter Ideenlehre sowohl seine Auseinander-<lb/>setzung mit der Tradition wie mit der zeitgenössischen Philosophie als auch<lb/>seine eigene Metaphysik in Gestalt der Monadenlehre.</p>
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